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Impressionen, die duften und klingen

Flensburger Museumsberg zeigt Max Slevogt Impressionen, die duften und klingen

Der Norden steht derzeit im Bann des Impressionismus: Die Hamburger Kunsthalle zeigt Édouard Manet, das Westküstenmuseum in Alkersum Max Liebermann und der Museumsberg Flensburg präsentiert nun mit Max Slevogt (1868 – 1932) jenen Maler, der mit Liebermann und Lovis Corinth zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Impressionismus zählt und die französische Freiluftmalerei nach Deutschland brachte.

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Max Slevogt: „Siesta“ (1905).

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Flensburg. „Es ist eine der schönsten und qualitativ herausragendsten Ausstellungen, die ich bisher hier realisieren durfte“, freut sich Museumsdirektor Michael Fuhr. Um die Schau mit allen Sinnen erfahrbar zu machen, hat er die Räume mit Hör- und Duftstationen ausgestattet, die mit Musik der Belle Époque sowie Wald- und Sommerdüften zur atmosphärischen Verdichtung beitragen wollen. Circa 70 Arbeiten aus dem Nachlass des Künstlers, etwa die Hälfte davon Ölbilder, haben den Weg vom Landesmuseum Rheinland-Pfalz in Mainz an die Flensburger Förde gefunden. Der Grund ist ein pragmatischer: Die Räume der Slevogt-Galerie sind derzeit renovierungsbedingt geschlossen und so durfte Fuhr sich „die schönsten Arbeiten“ aussuchen. Im Gegenzug zeigt Mainz unter dem Titel „Ein Stück Norddeutscher Himmel“ Arbeiten von Heckel, Nolde und Kirchner aus dem Flensburger Bestand.

 Der weitgehend chronologisch konzipierte Rundgang, der auch dem Zeichner Slevogt einen Raum widmet, verzichtet auf das unter anderem vom Realismus eines Wilhelm Leibl geprägte Frühwerk und setzt in den frühen 1890er Jahren ein. Nach einem Gastsemester in Paris, wo er Niederländische Meister kopierte, lässt der Künstler bereits hier in seinen pastos akzentuierten Bildern eine Tendenz zur Auflösung klarer Konturen erkennen. Von 1898 datieren die ersten Freiluftgemälde, in denen neben dem Spiel von Licht und Farbe immer auch das Motiv eine Rolle spielt. In flüchtigem Duktus hingeschrieben sind Landschaftsimpressionen oder ein Bildnis seiner Frau Nini, hingegossen auf einem Sofa. Das Gemälde hing zu Werbezwecken in der Berliner Wohnung des Paares und brachte Slevogt, einem der bestbezahlten Porträtmaler seiner Zeit, zahlreiche Aufträge ein.

 Zu den eindrucksvollsten Exponaten zählen zweifellos jene Bilder, die er nach der Begegnung mit Arbeiten von Edouard Manet schuf. Inspiriert von dessen Picknick im Grünen malte er Picknick – ein Familienbild (1903), ein klares motivisches Zitat in luftiger Komposition, in der sich die Konturen der Figuren im Spiel des Lichts aufzulösen scheinen. Als eleganter Chronist der Belle Époque erweist sich der Gründer der Münchner Sezession unter anderem mit Bal Paré (1904), einer malerisch raffinierten Momentaufnahme im schlanken Hochformat, das den Künstler und seine Frau in festlicher Robe zeigt – wie ertappt beim prüfenden Blick in den Spiegel vor dem Verlassen des Hauses.

 Max Slevogt arbeitete zügig, oft waren seine Bilder nach nur einer Stunde fertig. Während er den Pinsel „tänzerisch wie einen Degen“ über die Leinwand flitzen ließ, rauchte er stets eine Zigarre, weshalb Prinzregent Luitpold von Bayern, der zwischen 1908 und 1910 eine Reihe von Landschaften und Porträts in Auftrag gab, seinen Landsmann augenzwinkernd als „Zigarrenmaler“ bezeichnete. Folgerichtig ziehen Rauchschwaden auch durch die bewegten Bilder, die Hans Cürlis vor knapp 100 Jahren auf Zelluloid bannte. Der Stummfilm ist als Video in der Ausstellung zu sehen – ein seltenes Dokument, das den Künstler während der Arbeit an einer Lithografie zeigt.

  Museumsberg 1. Bis 16. Oktober. Di-So 10-17, Do bis 20 Uhr (bis September). Begleitprogramm: www.museumsberg.de

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