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Die Stimmungen des Meeres

Museum Kunst der Westküste Die Stimmungen des Meeres

Meerbilder des Husumer Künstlers Jochen Hein und Werke aus der Sammlung stellt das Museum Kunst der Westküste auf Föhr in der Schau "Jenseits der Zeit" gegenüber.

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Seine Bilder entstehen ohne Fotovorlage aus der Erinnerung: Jochen Hein in seinem Hamburger Atelier.

Quelle: mkdw

Alkersum. Man kann sich verlieren im glitzernden Graublau des Seestücks an der Stirnwand der großen Halle im Museum Kunst der Westküste, dem aufgewühlten wie gleichmütigen Wasser mit seinen Strömungen und Lichtbrechungen. Und in der Reduktion auf Wasserfläche und Bewegung erscheint Jochen Heins monumentales Triptychon Nordsee (2003) beim Eintritt in die neue Ausstellung wie die Essenz aus den Bildern der Skagen-Künstler und Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts, die auf den Längsseiten in die Kunstgeschichte verweisen.

 Gerade widmete das Museum dem in Husum gebürtigen Künstler, der 2015 als Artist in Residence in Alkersum arbeitete, mit Über die Tiefe eine eigene Schau; in der Ausstellung Jenseits der Zeit setzt Museumsdirektorin Ulrike Wolff-Thomsen Heins Bilder jetzt in Bezug zur Sammlung. Lebensszenen wie die der ein Boot ziehenden Fischer, die Peder Severin Kroyer 1885 malte, oder Edvard Munchs melancholischer Sommertag auf dem Anleger (1880) erweitern den Meerblick ins Realistische, während Strandbilder von Laurits Tuxen, in denen Himmel, Land und Meer in flirrender Einfarbigkeit verfließen, das strudelnde Meer von Johann Christian Dahl oder Michael Anchers Bilder aus Skagen wie frühe Vorläufer von Jochen Heins Kunst wirken.

 Die zoomt die Stimmungen des Meeres und die Wasserbewegung heran, zeigt Schweres Wetter (2011), Kochende See (2015), fliegende Gischt (2015) oder die Stille nach dem Sturm, in fotografisch genauen Bildern zur Allgemeingültigkeit verdichtet. Jenseits der Zeit eben. Dass Hein mit dickem Pinsel oder der Sprühpistole über die großformatige Leinwand gegangen ist, sieht man erst auf zweiten oder dritten Blick. Auch die Rolle des Zufalls, die im Malprozess eine so große Rolle spielt, dass der 55-Jährige von „Unfällen“ spricht, bleibt dem Betrachter verborgen. Zusammen mit Wolff-Thomsen hat Hein im Museumsdepot geforscht; vor allem, so die Museumsdirektorin interessierte den Maler dabei, wie die Vorgänger Dunst, Wasseroberfläche und Lichtstimmungen ins Bild setzten.

 So kam die Auswahl zustande, in der sich Gegenwart und Vergangenheit zu spiegeln scheinen. Eine besondere Verwandtschaft entdeckte Hein während seines Studienaufenthaltes zu dem nordfriesischen Landschaftsmaler Hans-Peter Feddersen (1848-1941). Auch auf Bildern wie Blanker Hans (1902) oder Löwenzahnsamen (1880) scheinen Luft, Licht, Wind und Wellen zur Unendlichkeit zu verfließen.

 Auch Heins Landschaften erscheinen wie Orte aus der Erinnerung, seltsam verwunschen mit den typischen unmerklichen Farbverschiebungen, Verwischungen und Verwirbelungen, die in ein unergründliches Dickicht und vielleicht in eine Welt dahinter führen. Wie aus der kollektiven Erinnerung destilliert wirkt der Teich, aber auch das Geisterschiff (American Star, 2010), das in seiner Figürlichkeit aus Heins Werk als Solitär herausfällt sich dem Betrachter entgegenschiebt – irgendwo zwischen Wrack und Geisterschiff. Und in seinen Porträts tauchen Gesichter und Hände wie Lichtpunkte aus tiefem Schwarz ans Licht.

 Zwei weitere Schauen zeigt das Museum Kunst der Westküste: Muthesius-Absolvent Thomas Judisch zeigt sieben Installationen, subversiv und ironisch wie die in Bronze gegossenen Pferdeäpfel, über die der Spaziergänger im Museumsgarten stolpern kann. Auch die Fotos der in Berlin lebenden Ukrainerin Mila Teshaieva arbeiten mit dem Inselleben. Für die Schau Inselwesen hat sie Menschen auf Föhr fotografiert, in manchmal altmeisterlicher Pose und im scharfen Hell-Dunkel-Kontrast einer Taschenlampenbeleuchtung – auch sie in ihrer Weise jenseits der Zeit.

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