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Knüppelhart quer durch Europa

Folkmetal im Orange Club Knüppelhart quer durch Europa

Ein erstklassiger europäischer Dreierpack ließ vier Stunden lang den Orange Club erbeben: Vexillum aus Italien, Skálmöld aus Island und der Schweizer Headliner Eluveitie boten feinsten Folkmetal in unterschiedlicher Ausprägung.

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Nah dran an den Fans: Christian „Chrigel“ Glanzmann, Sänger der Schweizer Band Eluveitie.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Beim Betreten des sehr gut gefüllten Clubs sind die fünf Uomini von Vexillum bereits einige Zeit auf der Bühne. Die Männer aus Pisa brettern Speed-Metal geradeaus in die Meute. Shouter Dario Vallesi und seine melodische Knüppelgarde machen klar, warum gern Vergleiche mit Blind Guardian herangezogen werden. Leider haben die Jungs zeitig begonnen und kurz nach 20 Uhr heißt es bereits Arrivederci, denn vor Eluveitie wollen noch Skálmöld ihren Einstand in Kiel feiern.

Urwüchsige Gitarrensounds von Island

Die Isländer warten mit einer Besonderheit auf: Drei Gitarren – das gibt mächtig Druck, beim Opener Gleipnir kommt die folkige Grundmelodie unisono von zwei Gitarren, während Sänger Björgvin Sigurðsson die Grundakkorde durchspielt. Sein Growl-Gesang ist abgehackt und orientiert sich eher am Schlagzeugrhythmus, was an den altisländischen Dróttkvætt-Strophen und deren strenger Form liegt. Klingt eben urwüchsiger. Für die ausufernden Screams sorgt Leadgitarrist Baldur Ragnarsson, der sich mit seinem Kollegen Þráinn Árni Baldvinsson grandiose Duelle liefert. Vereinzelt beteiligt sich auch Sigurðsson an dem Spiel, dann wird es sogar dreistimmig.

Jeder Bergtroll müsste sich fürchten

Zeigte sich so mancher Fan bereits im Altisländischen textfest, ist dem Metalhead auch das Keltische nicht fremd – womit man beim Schweizer Ensemble Eluveitie angekommen ist, das seit anderthalb Jahren sein Album Origins weltweit betourt. Wer hier schon wieder glatt gebügelten, sinfonischen Folkmetal befürchtet hat, wird eines Besseren belehrt. Die Band um Sänger Christian „Chrigel“ Glanzmann, dessen Stimme jeden Bergtroll das Fürchten lehren könnte, zerlegt den Saal mit brettharten, bis in den Nu Metal reichenden Gitarren-Riffs und traumhaften Melodien aus Flöte, Mandoline, Fiddle und Drehleier. Letztere spielt Anna Murphy, die das stimmliche Pendant zu Chrigels gutturalem Gesang bildet, dies aber ganz unaufgesetzt und ursprünglich.

„Jede Generation spielt die Volksmusik anders, aber sie bewahrt immer ihre Seele“, meint Chrigel treffend vor dem keltischen Folk-Akustik-Set, das ebenso zum zweistündigen seelenvollen Metalkonzert gehört wie Tanz und Circle Pit im überwiegend jungen Publikum zu Brechern wie Omnos oder Inis Mona, mit dem Eluveitie die Meute kurz vor Mitternacht nach Hause schicken.

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