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Fraktus: Als Techno noch Dada war

Blitz-Kritik Fraktus: Als Techno noch Dada war

Soweit die Legende: Fraktus erfanden in den 80ern den Techno – und das Internet gleich mit, wie das Trio infernale bei seinem Konzert in der fast ausverkauften Pumpe in Kiel mit seinem jüngsten Album „Welcome To The Internet“ reklamierte.

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Fraktus war am Mittwochabend in der Pumpe in Kiel.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Nämlich, dass das Internet so gaga ist, dass es eine Hommage an 100 Jahre Dada sein könnte. Oder an die Neue Deutsche Welle – und nicht zuletzt an Kraftwerk, die in den 70ern mit der „Autobahn“ noch nicht die immer schnellere und zugleich verrückter gewordene Datenautobahn meinten, sie aber vorahnten. Dass nicht Kraftwerk, sondern Fraktus Techno und das Internet erfunden hätten, solche Mär’ zettelten Dickie „Starshine“ Schubert (Rocko Schamoni), Torsten Bage (Heinz Strunk) und Bernd Wand (Jacques Palminger) bereits 2012 in Lars Jessens Dokuflage „Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ an. Nun legen sie nach mit viel Lightshow- und Video-Brimborium, um sich weiter als die Erfinder von „ravend Revolutionärem“ und noch (irr-)realer zu inszenieren.
 
Wer das ernst nimmt, hat Fraktus nicht oder auch richtig verstanden. Denn hier wird das ganze Elektro-Ding und überhaupt alles, was so „internettet“, fachgerecht dekonstruiert. Schon der Opener „Welcome To The Internet“ ist in seiner audiovisuellen Übersteuerung so absichtlich hahnebüchen, dass es eine diebische Dada-Freude ist. Aber die Techno-Pioniere belassen es nicht dabei in Songs wie „Saugetücher“, die, so Torsten Bage on stage dozierend, „Sachverhalte ganz emotionslos schildern“. So mutwillig gefühllos wie einst Kraftwerk werken die Drei in Rotmännern und anfangs unter grün LED-schillernden Helmen an ihren Keyboards, weiteren schrägen E-Instrumenten, sägegezähntem Vocoder und schrill jammerndem Theremin. Neben Kraftwerk lassen dabei auch Trio grüßen, wenn die Synthie-Tunes poppig einnehmen, das Publikum die „Oh-Eh-Ohs“ begeistert mitsingen lassen.

Hier sehen Sie Bilder vom Fraktus-Konzert in Kiel.

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Soll natürlich alles so sein, wenn Bernd vom Feen-Märchen „Mary Poppins“ raunt, wo man den Schirm aufspannen sollte, um nicht im Regen nach der Traufe des Internet zu stehen. Denn dort ist manches so Spam, dass man dem nur mit den „Originals“ entrinnt. Und überhaupt muss man so Dada sein wie Fraktus, um dem Gaga der Realitäten zu trotzen.
 
Das ist die eigentliche Botschaft des Trios: Lasst euch nicht einlullen von der erfundenen Realität, begebt euch vielmehr mit uns in deren Irrsinn. Das war auch das Anliegen der Dadaisten. Insofern stehen Fraktus fest in deren Tradition. Mit dem „Push & Pressure“-Videospiel „Smirkey“ sind wir mittendrin, und „Freunde sind Friends“ jenseits von Facebook, wo jetzt viele posten, wie „geil gaga“ es gerade bei Fraktus ist.
 

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