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Widerständiger Erzähler seiner Songs

Franz Nicolay Widerständiger Erzähler seiner Songs

Zu fast jedem seiner Songs unter anderem vom aktuellen Album „To Us, The Beautiful!“ hat Franz Nicolay etwas zu erzählen. Zu „Marfa Lights“, wo es um das nie gesehene Nordlicht ebenso geht wie um die Erkenntnis, dass man, will man das Licht sehen, erstmal durch das Dunkle muss, hat er in der Schaubude so viel zu berichten wie zu den alten Songs aus seinem umfangreichen Werk.

Kiel. Nicht zu vergessen, dass der Singer/Songwriter, dessen Band- und Mitarbeits-Credits schon die Hälfte dieser 80 Zeilen füllen würden, in seinem Blog und manchen Buch-Veröffentlichungen sich als veritabler Literat in Erinnerung bringt. Entsprechend sind seine Songs meist kleine Epen, ausufernd und narrativ verdichtet. Dazu zückt der Mann im Anzug, Krawatte und meist tief in die Stirn gezogenem eigentlich für diesen Denkerschädel zu kleinen Hut nicht nur seine akustische Gitarre, sondern auch das Banjo.
 
„This Is Not A Pipe“ zitiert er Magritte als „Banjo Guy“, der dieses Instrument so hurtig bedient, wie der Maler sich ins Surreale pinselte. Lehre des nämlichen Songs, verdolmetscht: „Wenn man sich nach etwas sehnt, vergisst man, was man schon hat.“ Insofern sind Pfeifen nur solche, (auf) denen man den Marsch bläst. Und die Gitarre kann den Hals, den Nicolay in die Schlinge der Selbsterkenntnis legt, nicht voll bekommen.
 
Bob Dylan scheint nicht fern, wenn Franz die Songs ins persönlich Revolutionäre wendet. „Did Your Broken Heart Make You Who You Are?“, fragt ebenso schüchtern wie aufrührerisch ein Song-Titel. Sind wir unsere gebrochenen Herzen? Und wenn ja, was folgt daraus? Bei Nicolay Aufbegehren, wild geschrubbte Gitarre, die sich aber im nächsten Moment auch ins lyrisch-melancholische Abseits begeben kann – also mitten in die Gegenwart des Seins. „Home Is Where They Take You In“ heißt ein Song in passend quirligem Uptempo.
 
Doch das Herz ist meist dümmer als gedacht, wenn es sich in „Open With The Wrestlers“ mit seines nicht gleichen Strolchen balgt. Da gilt es, den Ball im flachen Wasser zu halten, in „Talk To Him In Shallow Water“, wo der Sturm erstmal nur im Wasserglas tobt. Den Clowns-Hut trägt Franz Nicolay dabei noch etwas kecker auf dem vom Denken krausen Kopf. Nicht anders beim vorvorletzten Song namens „Porta Fenestella“, der sich aggressiv den eigenen Worten widersetzt. Auf solche Gegensätze muss man sich bei Nicolay einlassen – und tut das gern in der dazu auch ein bisschen betanzten Schaubude.
 
Lesens- und hörenswerte Infos zu Franz Nicolays Werk: www.franznicolay.com.

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