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Aus Lust am Gestalten

Franziska Ludwig Aus Lust am Gestalten

Früh zeichnete sie Comics, wurde dann aber zunächst Sozialpädagogin. Die Altenholzer Illustratorin Franziska Ludwig fand erst über viele Umwege zum Beruf.

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Zeichnet am Schreibtisch in ihrem Arbeitszimmer: die Illustratorin Franziska Ludwig

Quelle: Beate Jänicke

Altenholz. Die kleine Blaumeise auf dem Aquarell blickt skeptisch unter ihrer dunklen Pagenkopffrisur hervor. Moment – dunkler Pagenkopf? Die Ähnlichkeit zwischen Zeichnerin und Objekt ist unverkennbar. „Ja“, winkt Illustratorin Franziska Ludwig ab und lacht. „Das passiert einem schon mal, dass einem die Figur ähnelt.“

Der Vogel mit dem menschlichen Antlitz ist als Postkarte gedruckt, die Ludwig in ihrem Arbeitsraum, einem Dachzimmer mit Büchern, Comics, etlichen Zeichen- und Malutensilien und dem Computer, aufbewahrt. In einem gemütlichen Siedlungshäuschen in Altenholz, wo die 39-Jährige mit Mann und drei Kindern lebt. Einmal die Woche fährt sie zu Treffen mit ihren drei Kollegen von Pure Fruit, einem Zusammenschluss von vier freiberuflichen Grafikern, Illustratoren und Comiczeichnern aus Kiel. „Da freue ich mich dann besonders auf den Austausch!“ Sind Frauen in der Comicszene eigentlich eine Seltenheit? „Nein, man ist heute nicht mehr so der Exot.“

Sich zeichnerisch auszudrücken, war schon früh ihr Ding: „Aber in meiner Biografie gibt es einige Brüche.“ Bereits als Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sie Comics im Stil von „Foto-Love-Stories“. Aber ein Lehrer in der damaligen DDR desillusioniert sie gründlich: „Er meinte, nur wer super Noten habe und politisch nicht vorbelastet sei, bekäme eine Chance.“ Nach der Wende versucht sie dann ihr Glück, wechselt schon mit 16 an eine Fachoberschule für Gestaltung in Erfurt, studiert danach aber erst einmal Sozialpädagogik und arbeitet auch in diesem Beruf. „Vielleicht war ich einfach noch nicht reif genug“, meint sie rückblickend. An der Abendakademie in Leipzig bereitet sie sich aufs Kunststudium vor. Da Ehemann Jens aus Schleswig stammt, wird Kiel der neue Lebensort und die Muthesiusschule ihre Ausbildungsstätte.

Ihren Stilbegriff umschreibt sie so: „Ich finde es gut, wenn es zwar schön aussieht, aber nicht zu gefällig ist. Es gibt einen Stil, da kann man nichts falsch machen, alles ist so glatt und sauber. Ich versuche, den Figuren durch die Art, wie ich sie zeichne, Ausdruck zu verleihen.“ Wie in ihrer Studien-Abschlussarbeit, ein ABC-Buch mit dem Titel Hobby – Eins braucht jeder: Unter „E“ wie E-Gitarre rockt da eine Hausfrau, während im Hintergrund die Töpfe überkochen.

Ludwigs Themen reichen von ernst bis komisch, nur „albern“ mag sie gar nicht. Zu ihren Vorlieben gehören neben Bleistift- und Buntstiftzeichnungen auch mit dicken schwarzen „Outlines“ umrandete Figuren oder Comics, die ohne übliche „Panels“, also Kästchen, auskommen. Der Idealfall: „Dass man die Figur so zeichnet, wie sie sich fühlt – ohne dass man eine Sprechblase dranhängen muss.“

Jetzt erscheint eine Sammlung mit Arbeiten verschiedener Künstler unter dem Titel Das Beste von Allem, herausgegeben von den bekannten Illustratorinnen Jutta Bauer und Katja Spitzer, an der auch Franziska Ludwig beteiligt ist. Und auch an der zehnten kostenlosen Pure-Fruit-Ausgabe sitzen sie und ihre Kollegen längst. Das Thema: Kinder. Erscheinungsdatum: 6. Dezember. „Pünktlich zu Nikolaus“.

www.franziskaludwig.de

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