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So schön kann Zerstörung sein

„Freie Bildwirtschaft“ So schön kann Zerstörung sein

Seit geraumer Zeit bringen junge Künstler Leben in die Räume des ehemaligen Schleckermarktes in der Elisabethstraße. Die Ausstellung Freie Bildwirtschaft von Muthesius-Studenten der Freien Klasse Film unter der Leitung von Stephan Sachs rückt die Situation (geschlossener) Läden an belebten Straßen und Plätzen in den Fokus.

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Bewegte Bilder: von links Naiwei Tian, Anna Bohn, Laura Carlotta Cordt, Eugenia Bakurin, Alena Wroblewski, Prof. Stephan Sachs und Gor Margaryan (vorne) mit einer Arbeit von Anna Bohn.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Die Schaufenster zum Vinetaplatz reflektieren das Thema mit einer Dia-Show. Naiwei Tian hat die Tristesse aufgegebener Läden in diversen deutschen Städten aufgenommen und lässt die Fotos unkommentiert an den Passanten vorbeiziehen.

 Im abgedunkelten Innenraum erwartet den Besucher ein Wechsel von bewegten Bildern und Installationen. Da ist eine Art Objektkasten mit einem Video, auf dem blutrot eingefärbte Filmclips von der Herstellung von Fast Food mit Dokumentationen von Kriegshandlungen wechseln. Projiziert auf zwei Leinwände, die den Betrachter quasi umschließen, sind Bilder abstrakter, organisch anmutender Gegenstände, die aus dem Nichts ins Bodenlose fallen. Den krassen Gegensatz vom gemütlichen Puschenkino zum realen Leben zeigt eine Installation mit Ohrensessel und Plüschteppich, vor der im Fernseher einer Dokumentation zur Entsorgung von Wohlstandsmüll in Dritte-Welt-Ländern flimmert.

 Insgesamt 13 Studierende sind an der Schau beteiligt, die sie in ihrer Gesamtheit als Gemeinschaftsarbeit auffassen. „Als Filmklasse sind wir in den Raum gegangen, das ist neu“, erzählt Laura Carlotta Cordt. Sie ist beteiligt an einer bewegten Arbeit, in der sich ein Quadrat mit Overheadfolien aus Wirtschafts-Seminaren der CAU auf eine beleuchtete Bodenplatte senkt – einzelne Worte aus der Businesswelt werden lesbar. Um den sorglosen Umgang mit der Handykamera geht es in einer Wandinstallation, in der Handys mit flackernden Filmchen an ihren Kabeln wie an einem Baum herunterwachsen. Poetisch wirkt das, ähnlich wie nebenan Aufnahmen von Heile-Welt-Fotografien, die sich im Säurebad auflösen. So schön kann Zerstörung aussehen. sth

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