25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Von Danzig über Bremen nach Kiel

Langwierige Entscheidung: Iwona Bigos neue Leiterin der Stadtgalerie Von Danzig über Bremen nach Kiel

Sie ist im polnischen Wroclaw (Breslau) geboren, studierte dort und in Bremen, leitete sechs Jahre die Städtische Galerie in Danzig und ist ab 18. April die neue Direktorin der Stadtgalerie Kiel: Die 47-jährige Kunsthistorikerin und Kuratorin Iwona Bigos.

Voriger Artikel
Ausstellung zum Thema "Warten" in der Hamburger Kunsthalle
Nächster Artikel
Der Klang der unsichtbaren Stadt

Iwona Bigos lebt derzeit in Bremen und kuratierte von dort aus zuletzt freiberuflich Ausstellungen aktueller Kunst.

Quelle: *

Kiel. Das bestätigte gestern Kulturdezernent Wolfgang Röttgers, soll Nachfolgerin von Wolfgang Zeigerer werden, der zum 1. Februar nach 14 Amtsjahren in Ruhestand gegangen ist.

Auch wenn bei den letzten beiden Kandidaten das Votum der Auswahlkommission nach Informationen der Kieler Nachrichten nicht einstimmig ausfiel und die Auswahl der externen Bewerberin umstritten ist, deutet sich kein grundsätzlicher Kurswechsel in der Leitung an. Iwona Bigos, die derzeit in Bremen lebt, kündigte im Gespräch mit unserer Zeitung Schwerpunkte in aktueller Kunst sowie bei Kooperationen im baltischen Raum an. Da bringt sie nicht zuletzt aus ihrer Tätigkeit in Danzig umfangreiche Erfahrungen ein. Unter anderem war sie eine Kuratorin der Ausstellung War eigentlich ein schönes Schiff um Günter Grass’ Novelle Im Krebsgang zum Schicksal der Flüchtlinge auf der am 3. Januar 1945 in der Danziger Bucht versenkten „Wilhelm Gustloff“. Die Schau wurde zunächst in Danzig und danach 2015 im Lübecker Günter Grass-Haus gezeigt und beinhaltete Reflexionen zeitgenössischer Künstler aus Polen, Russland, Deutschland und Schweden über den Untergang des Schiffes und Grass’ literarisches Werk. Im Altonaer Museum organisierte sie 2015 mit 15 polnischen und deutschen Künstlern vielseitige künstlerische Interventionen zum Thema Tücken/Przewrotnosc.

 Iwona Bigos studierte in Wroclaw und Bremen Kunstgeschichte, Kunstwissenschaften und Geschichte. Ab März 2009 baute sie die Städtische Galerie in Danzig auf und leitete sie bis zum August 2015. Angesiedelt an vier verschiedenen Standorten in der Altstadt präsentierte sie dort aktuelle internationale und polnische Kunstpositionen, zum anderen betrieb sie am Geburtsort des Ehrenbürgers und Literaturnobelpreisträgers die Günter Grass Galerie und initiierte das internationale Festival „Grassomanie“ – ebenfalls die erste Danziger Kunstbiennale. Bigos, so ist auf ihrer Homepage zu lesen, kuratierte mehr als 20 Einzel- und Gruppenausstellungen in Polen und im Ausland. Im vergangenen Jahr war sie mit dem Schwerpunkt Kunst im öffentlichen Raum aktiv in der Europäischen Kulturhauptstadt Wroclaw. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins „agit Polska“, einer polnisch-deutschen Initiative für Kulturkooperationen (Berlin), außerdem arbeitet sie im Vorstand der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Bremen und ist Mitglied des Beirates der Stadtischen Galerie Danzig und des Museums der Gegenwart in Wroclaw.

 In der Kieler Stadtgalerie böten sich die schönen großen Flächen besonders für Gruppen- und thematische Ausstellungen an. Sie werde ihren Fokus auch in Kiel auf Gegenwartskunst richten und strebe über ihre Netzwerke baltische Kooperationen an. Das sei auch ein möglicher Weg, an zusätzliche Gelder zu kommen. Der begrenzte Etat der Stadtgalerie, kann Iwona Bigos nicht schrecken: Das gehe schließlich letzten Endes jeder städtischen Galerie in Deutschland so. Derlei Erfahrungen und Einsichten, so Wolfgang Röttgers, hätten ihn bei ihrer „starken Vorstellung“ in Kiel beeindruckt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3