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NDR Sinfonieorchester Hamburg beginnt in Kiel

Gastspielsaison NDR Sinfonieorchester Hamburg beginnt in Kiel

Das NDR Sinfonieorchester ist unter der Leitung von Andris Poga auf Einladung der Konzertdirektion Streiber im Kieler Schloss in die Gastspielsaison gestartet. In dem Konzert begeisterte vor allem die traumverlorene Solo-Fantasie von Peteris Vasks und das Finale Peter Tschaikowskys Fünfter Symphonie.

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Dirigierte zunächst Skepsis-Tonfall, löste dann spät die Handbremse: Andris Poga vor dem NDR Sinfonieorchester.

Quelle: Marc Ginot

Kiel. Ein Leben ohne tiefen religiösen Glauben, ohne Begeisterung für die reine Natur und ohne Hymne an die Liebe ist für ihn undenkbar. Deshalb musste im ordentlich besuchten Kieler Schloss auch niemand befürchten, vom 69-jährigen lettischen Pfarrersohn Peteris Vasks vor den Kopf gestoßen zu werden. Ähnlich wie sein estnischer Kollege Arvo Pärt liefert der Komponist keine sperrig hermetische Neue Musik, sondern eher betörend neoromantisch schwelende Liebesgesänge. Vox amoris heißt denn auch die maximal traumhafte, aber dennoch nie kitschige Fantasie für Solovioline und Streicher, die er 2008/09 aufs Papier fließen ließ.

Der sympathisch verschrobene NDR-Konzertmeister Roland Greutter, 1957  im oberösterreichischen Linz geboren und schon seit 1982 im Amt, erwies sich als idealer Mediator der Botschaft. Man kann das vielleicht anders, körperloser, mit dezenterem Vibrato spielen, kaum aber wohl intensiver im Ausdruck. Und die Kollegen des von der Konzertdirektion Streiber eingeladenen NDR Sinfonieorchesters Hamburg woben unter der sensiblen Leitung von Vasks Landsmann Andris Poga eine Klangdecke aus feinster lettischer Wolle darunter.

Sinn für den Naturklang des Nordens

Dazu passte vorweg Sibelius’ Frühwerk, das Frühlingslied op. 16, sehr gut. Poga und die NDR-Musiker zeigten Sinn für die nordische Naturklangschwere, diese gelinde Aufbruchstimmung über Seen und Wäldern, die mühsam Väterchen Frost zu überwinden hat.

Den leicht gedeckelten, keine entfesselte Euphorie zulassenden Skepsis-Tonfall betonte der Lette am Pult dann auch in Tschaikowskys „Schicksalssymphonie“. Die Fünfte mit ihrem an sich so eindringlich bohrenden e-Moll-Zentralmotiv ließ er auffällig zögerlich beginnen. Immer wieder stockte nachdenklich der Erzählfluss.

Handbremse löst die Fesseln im Finale

In guten Momenten führte das zu kontrollierter Ordnung im orchestralen Geflecht, in schwächeren zu Buchstabiererei. Da war die jugendlich flammende Energie des Festivalorchesters unter Honeck oder die unablässig voranströmende Melodieseligkeit der Kieler Philharmoniker unter Fritzsch jüngst überzeugender ausgefallen. Doch als Poga dann im Finale die Handbremse löste, um dem Schicksal endlich beherzt in den Rachen zu greifen, spielten die NDR-Musiker doch noch wie entfesselt bravourös. Entsprechend begeistert reagierte das Publikum.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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