17 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Gefeierte Sternstunde der Kammermusik

Plöner Nikolaikirche Gefeierte Sternstunde der Kammermusik

Was für ein sensationell sonor singender Celloton! Der ungarische Altmeister Miklós Perényi demonstriert in der ausverkauften Plöner Nikolaikirche, was wirklich im großen Bruder der Violine steckt.

Voriger Artikel
Den Menschen Raum geben
Nächster Artikel
Alter Wein in neuen Flaschen

Altmeister unter sich: Cellist Miklos Perenyi und Pianist András Schiff (Mitte)

Quelle: Axel Nickolaus

Plön. Dass er dabei im SHMF-Schwerpunktkünstler András Schiff einen Pianisten an der Seite hat, der den glühenden Lavastrom des Streichers gekonnt vom Klavier einfasst und ähnlich klangsatt voluminös, aber niemals intransparent beantwortet, adelt den gefeierten Duo-Abend zur Kammermusik-Sternstunde.

 Brahms’ e-Moll-Sonate strömt organisch melodisch, entwickelt gewitzten Charme im Menuett-Allegretto und berauscht im Finale. Die sechs ungarisch-rumänischen Volkstänze, die Béla Bartók in seiner zunächst für die Wundervioline von Joseph Szigeti geschriebenen Rhapsodie Nr. 1 gemäßigt modern verarbeitet, hört man wohl selten so warmherzig, unzickig und opulent wie hier.

 Und Beethoven? Dessen Werke für Klavier und Violoncello haben Schiff und Perényi schon 2004 preisgekrönt für ECM eingespielt. Diese Klasse wird in der A-Dur-Sonate op. 69 beglückend bestätigt, indem hier Beethovens frühromantische Phase im besten Sinne „betont“ wird. Da gibt es im Kantablen nicht den kleinsten Bruch – und das, obwohl alle Widerhaken und Akzente sowie die starken Lautstärkekontraste sehr wohl minuziös Beachtung finden.

 In den beiden Variationswerken über Themen aus Mozarts Zauberflöte entwickelt das Duo nach der Pause und als erste Zugabe zarten Duft, spritzige Pointen, perlende Läufe und innig versunkene Moll-Momente. Allenfalls könnte man darüber ins Grübeln kommen, ob die zweite Zugabe, das Rondo-Finale aus der frühen Beethoven-Sonate op. 5 Nr. 2, nicht doch mehr jugendlichen Leichtsinn fordert. Doch den haben die beiden grandios abgeklärten Könner mit ungarischen Wurzeln aus den Jahren 1948 und 1953 schon hinter sich.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3