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Stumpf ist Trumpf

Genetikk im Max Stumpf ist Trumpf

Seit Jan Böhmermann regelmäßig Witze über sie macht, fragt man sich, wofür die Saarländer eigentlich so stehen. Nach zwei Stunden Genetikk im randvollen Max lässt sich ex negativo sagen: Humor ist es schon mal nicht.

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Genetikk live im Max in Kiel.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Denn anders als andere Maskenrapper wie Marsimoto oder Cro knüpft das Saarbrückener Duo mit seinem Hofstaat hier eher an die todernste Attitüde amerikanischer und französischer Straßenrapper an. Über den entsprechenden Glaubwürdigkeitsfaktor wird spätestens seit Genetikks aktuellem Album Achter Tag gestritten, auf dem die Crew nicht nur Sido und Max Herre featuret, sondern auch noch die Toten Hosen sampelt und sich trotzdem einen Überüberstyle attestiert. Geht das? Ma soll sich net meh Käs herausschebbe, wie ma Brot hat, würde man an der Saar sagen.

"Genetikk über alles"

Ähnlich durchwachsen fällt der Eindruck im Max aus. Da Karuzo, Sikk und ihre Dagos halt wie immer ihre bemalten Sturmhauben tragen, weiß man nicht so recht, was in ihnen vorgeht, während sie oben auf der Bühne stehen. Auch körpersprachlich gibt es wenig Anhaltspunkte, denn ähnlich wie die hier gebotenen Rhymes bleibt die Performance auf zwei, drei Grundgesten beschränkt. Karuzos Ansagen drehen sich dazu fast ausschließlich darum, dass er noch mehr Publikumshände sehen will. „Wu-Tang forever, Genetikk über alles“, lässt er die Fans überdies wissen. Das war’s im Groben.

Ein Blick in deren Gesichter zeigt jedoch, dass stumpf hier Trumpf ist. Je einförmiger der Gig verläuft, in dem Genetikk neue und alte Tracks so miteinander vermengen, dass sie fast wie ein einziger großer Song wirken, desto mehr steigt die Stimmung. Fast jeder wird Zeile für Zeile mitgesungen, und wenn’s mal etwas gefühliger wird, gehen prompt die Handy-LEDs an, die Genetikks sparsame Lichtshow locker übertreffen.

Genetikk live im Max in Kiel.

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Ein paar Mal schießen die Rapper noch ein bisschen Dampf in die Luft, zur Halbzeit verziehen sie sich kurz und kehren in T-Shirts auf die Bühne zurück. Karuzo will jetzt noch mehr Hände sehen und fragt laut, ob man die 800 Kilometer vom Saarland nach Schleswig-Holstein zurückgelegt hat, um dem Norden zu zeigen, was Hip Hop ist. Was er damit sagen will? Man weiß es nicht so genau – ebenso wie offenbleibt, ob der untersetzte MC eigentlich gerade auf Masse trainiert oder zwischenzeitlich nur etwas zugelegt hat.

Der neue Überüberstyle?

Zum Finale, das aufgrund von Vorgruppenverzicht noch vor zehn Uhr beginnt, geht die Hitquote leicht nach oben. Auf das prollige Wünsch dir was mit besagtem Tote-Hosen-Sample folgt zur Zugabe der Burner Yes Sir. Und dann ist der Spaß auch schon wieder vorbei und Karuzo freut sich auf ein baldiges Wiedersehen am Merchandise-Stand. Viele Zuhörer im Max tragen ohnehin schon Genetikk-T-Shirts, einer jedoch eines mit Santiano-Logo. Der neue Überüberstyle? Das lassen wir mal so stehen.

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