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Max Regers beeindruckender Klavierkonzert-Koloss

Kiels Residenzkünstler Max Regers beeindruckender Klavierkonzert-Koloss

Auch wenn es Brahms, Grieg oder Rachmaninow zu weit größerer Popularität mit ihren Konzerten für Solo-Klavier und Orchesterwogen gebracht haben: Den einsamen Gipfel, ehern und gewaltig, intelligent durchgestaltet und ausdrucksstark, hat eigentlich Max Reger aufgetürmt. Im Kieler Schloss erweist sich Gerhard Oppitz einmal mehr als Idealinterpret.

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Der Pianist Gerhard Oppitz in der Probe mit Kiels GMD Georg Fritzsch und den Kieler Philharmonikern.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Trotz des Einsatzes von Vater Rudolf und Sohn Peter Serkin oder auch von ähnlich kundigen Pianistenkollegen wie Eduard Erdmann (1953 war er der zweite Kieler Kulturpreisträger nach seinem Freund und Schwiegersohn Emil Nolde) erweist sich Kiels aktueller „Artist in Residence“ Gerhard Oppitz nach wie vor als der Idealinterpret des f-Moll-Koloss’ – auf Augenhöhe mit seiner eigenen legendären Schallplatteneinspielung. Im Kieler Schloss ist jedenfalls schon bei den donnernden Oktavketten des Beginns klar, dass hier der Mann am Flügel tief beeindruckend über der Sache steht. Ganz besonders begeistert er in den andächtig intensiviert ausgekosteten lyrischen Passagen und im Herzstück des Werks, dem wirklich „con gran espressione“ erfühlten Largo. Oppitz modelliert hier seinen in mehrere Passionschoräle eingewobenen Part mit größtmöglicher Tonwärme und Differenzierung.

Generalmusikdirektor Georg Fritzsch macht sofort deutlich, dass er Regers Partitur hochdramatisch auffasst. Da grollt die Pauke, brausen die tiefen Streicher, dröhnen die Bläser der gut präparierten Philharmoniker. Immer wieder überrollt das Orchesterbeben den satt klingenden Steinway, doch stimmt das Verhältnis. Im virtuos aufschäumenden Finale finden alle Beteiligten zudem zu einem sprühenden Effektwitz, der Joachim Kaisers Behauptung stützt, Reger gegenüber erscheine Pfitzner trocken und Richard Strauss oberflächlich. Das wegen des Kiel-Laufs wieder unübersehbar reduzierte Publikum feiert den Pianisten und seine Mitstreiter.

Nach der Pause zeichnen ihm die Philharmoniker ein idyllisch weiches Bild von Johannes Brahms’ Zweiter Symphonie D-Dur op.73. Fritzsch beginnt den ersten Satz gleich extrem ruhig, steigert und verlangsamt das Tempo nach Gefühl und Wellenschlag. Die Dauer ist  damit sogar länger als bei der offenbar ähnlich bedächtigen Uraufführung unter Hans Richter. Zusammen mit dem liebevoll ausgesungenen Adagio entsteht ein schönes Brahms-Erlebnis, eines für Träumer. Da ist alle norddeutsche Strenge gewichen, wird diese „Pastorale“ tatsächlich zu einem märchenhaften Landschaftsbild Wiener Art.

Vor allem im schwammig geratenen Finale fehlt es dann aber doch an letzter rhythmischer Präzision und Kontrasttiefe. Schon seinem Beginn geht das gedämpft Mystische ab, um daraus den befreiten Esprit des Folgenden gewinnen zu können. Vielleicht hat aber auch nur der Reger zu viel Probenzeit gefressen ... Die war es im Gedenkjahr aber wert.

 

Das Konzert wird am Montag, 12. September, um 20 Uhr im Kieler Schloss wiederholt. Einführung 45 Minutenvor Beginn. Karten: 0431 / 901 901.

www.theater-kiel.de

www.reger-kiel2016.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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