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Nagels krummer Nagel

Gerisch-Skulpturenpark Nagels krummer Nagel

Der schlichtere Prototyp bohrt sich in seinen Vorgarten in Kleinflintbek, die etwas kompliziertere Version kann ab sofort im Gerisch-Skulpturenpark in Neumünster in Augenschein genommen werden: Mit einem überdimensionalen Nagel, der sich in eleganter Krümmung scheinbar durch den Rasen windet, gibt Peter Nagel quasi seine Visitenkarte ab.

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Der rostige Nagel ist aus Holz: Künstler Peter Nagel zusammen mit Hausherr Herbert Gerisch im Skulpturenpark.

Quelle: Björn Schaller

Neumünster. Gemeinsam mit seinem Bruder Gert, der als Bautischler für die handwerkliche Ausführung zuständig war, hat der als Mitbegründer der Gruppe Zebra bekannt gewordene Künstler, bis 2004 Professor für Malerei an der Muthesius Kunsthochschule, die knapp vier Zentner schwere Skulptur realisiert und gleichzeitig mit großem Vergnügen seinen ersten Ausflug in die Bildhauerei unternommen („In meinem nächsten Leben werde ich Bildhauer“).

 Eine trickreiche Konstruktion erweckt den Anschein, als würde der Rasen festgenagelt – tatsächlich wird die zweiteilige Arbeit durch ein unterirdisches Fundament gehalten. Eine leichte Drehung des Stiftes unterhalb des durch Rhomben strukturierten Nagelkopfes stellte bei der Fertigung eine besondere Herausforderung dar. „Doch die Drehung war mir wichtig. Seit der Laokoon-Gruppe ist sie ein zentrales Thema in der Kunst“, so Nagel, für den der Anschein von Dreidimensionalität auch in seinen Bildern eine Rolle spielt. Seine malerische Erfahrung war bei der Bemalung des fast sechs Meter langen Objektes gefragt, denn was aussieht wie rostiger Cortenstahl, ist in Wahrheit Holz. Eine Schicht aus Epoxidharz sorgt für die Wetterbeständigkeit des Materials, zahllose Farbschichten in feinen Nuancen von Braun- Rot- und Gelbtönen für die metallene Anmutung.

 Wie gut ihm diese optische Täuschung gelungen ist, lässt sich durch einen Seitenblick auf eine Skulptur aus Cortenstahl von Horst Antes ermessen, die unweit des skulpturalen Neuzugangs im Gras steht. „Ich fühle mich in dieser Nachbarschaft sehr wohl“, sagt der Künstler, der seinen Rostigen Nagel im Schatten einer gewaltigen Birke als Dauerleihgabe installiert hat. Die inhaltliche Deutung des Motivs liefert er gleich mit. „Wenn man 74 ist, muss man allerhand praktische Erwägungen anstellen, die wenig lustvoll sind. Der spielerische Umgang mit dem Älterwerden durch die künstlerische Umsetzung ist für mich eine Art Befreiung.“

 Gerisch-Skulpturenpark, Neumünster, Hauptstraße 1. Geöffnet Mi-So 11-18, Sa + So 11-19 Uhr

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