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Gastkuratoren die Auswahl überlassen

Gerisch-Stiftung Neumünster Gastkuratoren die Auswahl überlassen

Gespannte Erwartung ist spürbar, als Peter und Gunda Niemann die Tür zum Efeuhaus der Gerisch-Stiftung öffnen. Denn noch weiß das Kieler Sammlerpaar nicht, wie seine Kunst hier inszeniert worden ist. Für den zweiten Teil des groß angelegten Ausstellungsprojekts dieses Sommers waren keine Profi-Kuratoren am Werk, sondern eingeladene Gäste.

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Blickfang im Efeuhaus: Die Farben von Marianne Thörmers geknüpfter Installation haben es „Gastkurator“ Uwe Honsberg angetan.

Quelle: Manuel Weber

Neumünster. Allerdings sichtlich kunstaffine Gäste, darunter mit dem Kieler Maler Peter Nagel und der Berliner Journalistin Ingeborg Wiensowski auch zwei, die professionell mit der Materie umgehen. Wiensowski räumt ihre Wohnung regelmäßig für Ausstellungen frei. Man kennt sich aus Berlin, sagen Gunda und Peter Niemann. Und Peter Nagel? „Den habe ich als Sextaner an der Humboldtschule erlebt; er hat über Kunst gesprochen – das hat mich damals schwer beeindruckt.“

 Mit Bernd Brandes-Druba von der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein haben sich die Niemanns den dritten Gast eingeladen, der in der Galerie der Stiftung die schleswig-holsteinische Facette der Sammlung einkreist. Drei weitere hat die Gerisch-Stiftung dazugebeten – am Ende waren 85 Werke von über 70 Künstlern zu präsentieren, die dank der ambitionierten Sammelwut der Niemanns eine Schau mit Museumsqualität möglich macht.

 Peter Nagel steht im türkisgrünen Badezimmer und muss nicht lange nach Worten suchen, um seinen „gewissen Blick“ zu erklären. „Ich habe mir meine drei Räume vorgenommen, so wie ich ein Bild male“, sagt Nagel. Und mit dem Türkis des alten Badezimmers der Villa Wachholtz als Leitmotiv habe er angefangen. Und mit sichtlich viel Farbgefühl hat er 16 vorwiegend malerische Arbeiten von Martin Assig bis Claudia Wieser anregend in Beziehung gesetzt, die auch Peter Niemanns skeptisch-neugierigem Blick standhält.

 Wie das funktioniert hat, aus 220 Kunstwerken der Sammlung auszuwählen, erfährt man von Dieter Witasik. Der Lübecker Management- und Unternehmensberater ist die Sache schon von Berufs wegen systematisch angegangen. Mit kleinen Neonmarkern hat er die Fotomappe mit den Werkabbildungen durchgeackert und die Kreise immer enger gezogen. Und als Vorsitzender der Overbeck-Gesellschaft hat er ihn sowieso, den Blick.

 Aber darum sollte es gar nicht in erster Linie gehen. Eben auch um das Bauchgefühl, wie es Uwe Honsberg formuliert, der vor einer farbigen wolligen Installation der jungen Künstlerin Marianne Thörmer steht. Auf die Weißensee-Absolventin hat der Berliner Galerist Judy Lybke als Talent-Scout schon ein Auge geworfen. Honsberg jedenfalls mag die Farben. Nein, Kurator wollte er gar nicht werden, sagt er mit gespieltem Understatement. Ihm liegt eigentlich nur daran, die Stiftung wirtschaftlich zu unterstützen, was er als Geschäftsführer der Wobau in Neumünster offensichtlich tatkräftig und glaubwürdig leidenschaftlich tut. Bei Gerisch weiß man eben, wen man sich ins Boot holt. Unbedingt auch den Nachwuchs, sagt Hauskuratorin Kristin Danger bei der Vorstellung der Kunstprofilklasse der Klaus-Groth-Schule Neumünster. Lehrerin Ute von Bülow ist trotz Ferienzeit in Begleitung einer Schülergruppe gekommen, die ihre Aufgabe mit Lust und Laune angegangen ist. Was sie mitgenommen haben an Erfahrung? Das Aufregende sei gewesen, die Originale zu sehen, lautet die Antwort unisono.

 Eine Erfahrung, die sie mit Peter und Gunda Niemann teilen. Die stehen im umgebauten Pferdestall vor einer so intensiven wie radikalen Mehrkanalvideoarbeit des in Berlin lebenden Filmemachers Wu Tsang. Da spürt man es, dieses Kribbeln, das die Sammler antreibt. „Unbedingt in voller Länge sehen, wenn alles fertig installiert ist“, sagen die Niemanns. Ein Satz, der kaum Widerspruch duldet.

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Ein Artikel von
Maren Kruse
Kulturredaktion

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