21 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Getanzte Gegensätze

"Junge Choreographen" im Schauspielhaus Getanzte Gegensätze

Die Bewegungssprache des Tanzes ausprobieren, vielleicht neue Kombinationen von Harmonie und Akrobatik, von klassischen und modernen Versatzstücken finden, manchmal auch skurrile Geschichten erzählen: Am Freitag ging die Reihe „Junge Choreographen“, in der Mitglieder des Kieler Ballettensembles eigene Arbeiten präsentieren, im gut gefüllten Schauspielhaus in die vierte Runde.

Voriger Artikel
Durchdacht und stimmig
Nächster Artikel
Daphne und die Männerwelt

Glänzend aufgelegte Tänzer im Schauspielhaus: Szene mit Yuka Higuchi, Maiko Abe, Keito Yamamoto (liegend Balkiya Zhanburchinova, Sabina Faskhi).

Quelle: Struck

Kiel. Mit von der Partie waren diesmal auch Kieler Orchestermusiker, die die glänzend aufgelegten Tänzer auf der Bühne bei drei Stücken mit Streichern, Kontrabass und Klavier begleiteten. So unterschiedlich wie die Musikauswahl, die von Ravel und Gershwin über Elgar und Satie bis zu elektronischen Klangexperimenten reichte, so verschiedenartig waren auch die kurzen Uraufführungen. Auch wenn das Rad der Choreografie an diesem Abend nicht neu erfunden wurde – das Publikum bedankte sich mit großem Applaus für etliche eindrucksvolle Momente.

 Zum Auftakt tasten sich neun Tänzer zur an- und abschwellenden Musik von Ravels Bolero durch Schwaden von Trockennebel, joggen, toben, fallen oder verharren wie in der Bewegung eingefroren. Einige verbiegen ihre Körper in einer Art Extrem-Yoga zu Tierfiguren, andere finden sich zu Paaren. Zu einer Geschichte fügt sich die Inszenierung von James Gottschall und Shori Yamamoto nicht, die sechs der insgesamt zehn Stücke gestaltet haben. Anders in ihrem zweiten Stück, in dem sie ein Paar in Schlafanzügen verliebt, verschmust und verspielt in den Tag stolpern lassen. Einen fröhlichen Tänzerwettstreit mit akrobatischen Show-Elementen zu groovenden Gershwin-Kompositionen präsentiert Yuka Higuchi in Lightsome – unbeschwert, gefolgt von einer emotionalen Paar-Studie in der Choreografie von Anastassiya Jastrebova. Subway – Chance Encounter nennt sie das Stück, geprägt von Gesten der Anziehung und Ablehnung, von harmonischem Bewegungsfluss und abrupter Kantigkeit. Mit krassen Gegensätzen spielt auch Calm Emergence, das mit der verstörenden Kakophonie aus dem MRT beginnt und in einer geschmeidigen Komposition von Satie mündet. Das Ensemblestück von Gottschall und Yamamoto erzählt von Menschen, die ihre Ängste in der engen medizinischen Röhre bezwingen und sich wegträumen an einen Ort ohne seelische und körperliche Einengung.

 Um die Verzweiflung nach dem Verlust eines geliebten Menschen geht es in Nezhnost – Zärtlichkeit. Balkiya Zhanburchinova zeigt den Gegensatz zwischen der Erinnerung an eben noch Alltägliches und den Moment, wo das Unfassbare Wirklichkeit wird, in einem Wechsel aus Zartheit und Expressivität. Martin Anderson verzichtet auf Erzählerisches. In seiner Choreografie für drei Paare, zu der Kiels Kapellmeisterin Bettina Rohrbeck die Musik geschrieben hat, fügen sich komplizierte Schrittsequenzen zu spannenden Strukturen, schwankend zwischen klassischen und modernen Bewegungsmustern.

  Weitere Aufführung am Donnerstag, 9. Juni, im Schauspielhaus. Kartentel. 0431-901901. www.theater-kiel.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3