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Eine starke Frauenstimme

Gioconda Belli in der Pumpe Eine starke Frauenstimme

Gioconda Belli aus Nicaragua ist eine der bekanntesten lateinamerikanischen Schriftstellerinnen. In der Kieler Pumpe stellte die engagierte Frauenrechtlerin nicht nur ihren neuen Roman "Mondhitze" vor, sondern äußerte sich auch zum politischen Weltgeschehen und faszinierte mit der lyrischen Kraft ihrer Gedichte.

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Politisch engagiert im neuen Roman wie in ihrer Lyrik: Gioconda Belli und ihr deutscher Übersetzer Lutz Kliche.

Quelle: kpb:KAI-PETER BOYSEN

Kiel. Für passende musikalische Intermezzi sorgte das Grupo Sal Duo, bestehend aus Anibal Civilotti (Gitarre, Gesang) und Fernando Dias Costas (Percussion und Gesang), der die lateinamerikanischen Lieder nicht nur leidenschaftlich vortrug, sondern auch humorvoll und metaphernreich anmoderierte. Man wolle sich dafür einsetzen, „dass starke Frauenstimmen gehört werden“, erklärten Dela Assigbley und Pia Duitsmann vom Bündnis Eine Welt e.V., das mit zahlreichen Partnern den Abend veranstaltete.

 Und dann erschien, begleitet von ihrem deutschen Übersetzer Lutz Kliche, der Star des Abends: Gioconda Belli. Sie bedankte sich bei den Deutschen für die Liebe und Solidarität, die sie den Flüchtlingen entgegenbrachten und nannte Angela Merkels Flüchtlingspolitik „bewundernswert“. Das alles erinnere sie als Mitglied der Sandinisten an die Hilfe aus Deutschland bei der Befreiung ihres Heimatlandes Nicaragua von der 45 Jahre währenden Somoza-Diktatur im Jahr 1979.

 Mit der Wahl Donald Trumps sehe sie „eine Tendenz zur Angst, Intoleranz und gefährlichem Nationalismus“, alle progressiven Geister sollten nun „energischer ihre Werte verteidigen und gegen die Einnistung geistiger Diktaturen kämpfen“.

 Anschließend las Belli Passagen aus ihrem neuen Roman "Mondhitze" ("El intenso calor de la Luna"), in dem die Protagonistin Emma, eine 48-jährige Arztgattin, mit Schrecken feststellt, dass ihre Regel ausbleibt – die Erkenntnis, dass sie nun nicht nur ihre Fruchtbarkeit, sondern ihr gesamtes bisheriges Selbstverständnis als Frau und Mutter einbüßt, macht ihr schwer zu schaffen. In trüben Gedanken verloren fährt sie mit dem Auto den jungen Schreiner Ernesto an, der trotz gebrochenen Armes anscheinend sehr begeistert von der Verursacherin ist und gleich drauflos flirtet. Auch ihre Gynäkologin Gianina Piniero macht ihr Mut, die Chance zu nutzen, ihr Privatleben als Frau zu entdecken: „Dein Körper hört auf, die Verlängerung eines anderen Körpers zu sein. Deine Sexualität hast du nicht verloren, du hast alle Fähigkeiten, alle Möglichkeiten, jenseits der Normen der Weiblichkeit ganz Frau zu sein“, erklärt sie ihr.

 Es sei ihr klar geworden, dass die Angst vor dem Älterwerden bei den Frauen auf allen Kontinenten die gleiche sei, erklärte Gioconda Belli. Somit hat sie ein globales emanzipatorisches Werk verfasst, das mit sprachlicher Kraft, Sinnlichkeit, Humor und Erotik politisches Engagement transportiert, wie man auch ihren vorgetragenen Gedichten entnehmen konnte. Langer Applaus für eine starke Frauenstimme.

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