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Haydns italienischer Anwalt

Giovanni Antonini Haydns italienischer Anwalt

Wenn man dieser Tage den zentralen Joseph-Haydn-Interpret benennen müsste, wäre sein Name garantiert in der allerengsten Wahl: Giovanni Antonini. Als Dirigent, Block- und Traversflötist der Gründer des Spezialistenensembles für Alte Musik Il Giardino Armonico, kennt er sich in der Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts bestens aus.

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Fachkundiger Interpret von Musik des 18. Jahrhunderts: Giovanni Antonini.

Quelle: K.Mehmet Girgin

Kiel. Und der Grammy- und Echo Klassik-Preisträger hat bis zum 300. Geburtstag im Jahr 2032 eine Gesamteinspielung der 107 Sinfonien, Ouvertüren, Konzerte und konzertnahen Arien von Haydn in Arbeit. Deren erste Ergebnisse sind fesselnd vital und ausdrucksstark geraten. Dabei ist auch das Kammerorchester Basel als zweiter Klangkörper einbezogen.

 Für den 1965 geborenen Mailänder ist Haydn ein „genialer Architekt“, dessen „Kombination der musikalischen Elemente stets originell und häufig unerwartet“ sei. Er besitze die Fähigkeit, in seiner Musik viele verschiedene menschliche Charaktere zu beschreiben. Antonini sieht sich für die rhetorische Kraft als Interpret gerade durch seine lange Erfahrung im Aufführen barocker Musik bestens gerüstet, „ihre Idee, die ,affetti’, also die menschlichen Gefühle, möglichst genau auszudrücken, kombiniert mit einem gewissen Sinn für Theatralik. Das ist der italienischen Einstellung zum Leben nicht ganz unähnlich. In Haydns Sinfonien ist das Theater sehr wichtig, um eine Art ‚Melange’ von verschiedenen Stimmungen, von erhaben bis hin zu grotesk, zu erzeugen.“

 Im Alsion Sonderburg wird Antonini heute zwei Sinfonien von Haydn aufführen: die Sinfonie G-Dur Hob. I:47 „Palindrom“ und die Sinfonie A-Dur Hob. I:64 „Tempora mutantur“. Antonini: „Beide Sinfonien entstanden in der ‚Sturm und Drang’-Zeit, Haydns experimenteller Phase. Gerade die Sinfonie Nr. 64 ist ein sehr originelles Werk. Der eigentümliche Titel tempora mutantur bezieht sich vermutlich auf das Adagio, wo die ‚normalen’ Akzente der musikalischen Phrasierung auf ‚falsche’ Taktschwerpunkte versetzt sind. Und das ruft beim Zuhörer (und manchmal auch beim ausführenden Musiker) das Gefühl, ‚verloren’ zu sein, hervor.“ Jeder Satz unterscheide sich sehr von den anderen und besonders die ersten beiden haben für den Dirigenten einen surrealen Charakter.

 Im Kieler Schloss folgen dann mit dem Kammerorchester Basel am 21. Juli die weniger bekannten Sinfonien Nr. 80 und 81. Antonini: „Jede Sinfonie, die ich vorher nicht kannte, ist eine Entdeckung für mich. Manchmal sieht etwas auf den ersten Blick auf der Partitur gar nicht so musikalisch reizvoll aus. Aber dann entdecke ich Dinge, die ich mir vorher nie vorgestellt habe, Dinge die Tiefe zeigen und stets eine Herausforderung bedeuten.“

  Konzerte am Mittwoch, 13. Juli, mit Il Giardino Armonico und Isabelle Faust (Violine) in Sonderburg (DK); am 21. und 22. Juli in Kiel und Elmshorn mit Nuria Rial (Sopran) und dem Kammerorchester Basel. Karten: Tel. 0431 / 23 70 70. www.shmf.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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