21 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Schillernde Identitätssuche

„Girlsnightout" im Sechseckbau Schillernde Identitätssuche

Sie kommen pfeifend rein, die beiden Typen (Tim Julian Sabel, Lutz von der Burchard), und biegen sich die drei Frauen vor ihnen zurecht, wie sie sie gerne hätten. Auftakt zu „Girlsnightout“, dem Erfolgsstück von Gesine Danckwart (1999), in der Inszenierung des Studententheaters LiLa im rappelvollen Sechseckbau.

Voriger Artikel
Tonbruket: Volle Dröhnung
Nächster Artikel
Gregor Meyle im Max

Christine Ahner, Patricia Moresmau, Marieke Henningsen und Lutz von der Burchard auf der Bühne im Sechseckbau.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Als absichtsvoll überzogenes Geschlechterklischee hat Regisseurin Line Sluyter-Gäthje zwei Bier trinkende Prolls installiert, die der Text eigentlich nicht vorsieht. Im Zusammenspiel ergeben sich so einige zusätzliche, reizvolle Bedeutungsebenen, etwa wenn eine der Frauen sich im Spiegel betrachtet und dabei in Wahrheit in Männeraugen blickt.     

Mittelpunkt sind und bleiben aber die drei Mädels, die sich da kreischfröhlich für ihren Abend fertig machen. Anfangs noch als Teenager mit der Bravo im Anschlag. Wenig später dann im Glitzerkleid als inzwischen reichlich desillusionierte erwachsene Frauen. Dass hier keine realistische Geschichte erzählt wird, ist völlig klar. Stattdessen wird eine Collage scharf gegeneinander geschnitten, aus extra trashigen Momenten, in denen die größten Plattitüden abgesondert werden, aus besinnungslosem Dauergeplauder, aber auch aus wenigen wahrhaftigen Augenblicken, in denen die Frauen sich und die Welt um sie herum reflektieren: „Wenn die Welt flach wie eine Scheibe ist, wie können wir dann tief sein?“ Die Regisseurin hat es geschafft, den Wortstrom der Textvorlage, die ohne Rollenzuschreibungen durchgehend verfasst ist, geschickt zu strukturieren und auf die drei fabelhaften Darstellerinnen zu verteilen.

Auch wenn sie keine ausgeformten Figuren spielen, verkörpert Marieke Henningsen doch mit Verve die Aggressive mit dem Willen aufzubegehren, Christine Ahner gibt die Überlegte, Nachdenkliche, und Patricia Moresmau mimt mit einer gehörigen Portion ironisch überspitzter Komik die naive Romantikerin, die in Wahrheit einsam ist. Im Bühnenbild voller weißer Luftballons, von denen die Frauen bei jedem Kalenderspruch, der abgelassen wird, einen zerplatzen lassen, entsteht so ein schillerndes, wechselvolles Bild von der Suche nach Identität. Frischen Wind bringen dabei einige vom Ensemble wunderbar live performte Songs der Berliner Band Lassie Singers. Sie geben – obwohl älter als der Stücktext - mit ihrer Aufbruchstimmung und Widerstandslust den entscheidenden Kick gegen ein allzu angepasstes (Frauen-)Leben. Vielleicht war man in dieser Hinsicht ja schon mal weiter.

Weitere Aufführungen: 21., 22., 23., 25. 11., Uhr, Sechseckbau

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3