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Gitarrenhelden rocken die Sporthalle

Hamburg Gitarrenhelden rocken die Sporthalle

Er hat zwar nicht weniger als sieben Songs seiner früheren Band Guns`n Roses im Programm, doch Gitarrenheld Slash sowie Myles Kennedy And The Contributors zeigen sich nicht nur diesem Erbe gewachsen, sondern setzen vor gut 4000 Besuchern in der Sporthalle viele eigene Akzente.

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Slash hat vor allem einen guten Ton, dem er Zeit lässt, sich zu entfalten.

Quelle: Kai-Peter Boysen

Hamburg. Schon der Opener „You`re A Lie“ vom letzten Album hardrockt voll nach vorn, Sänger Myles Kennedy hat eine durchdringende Stimme, die vielleicht nicht ganz so kratzt wie die von G`n R-Frontmann Axl Rose, aber dafür weit weniger Herausforderungen scheut. Bassist Todd Kerns und Tourgitarrist Frank Sadoris werfen sich souverän in Rockposen, wissen, wie man mit Drummer Brent Fitz ein Rockkonzert anschiebt. Und der Meister selbst, auf der Bühne ohne Sonnenbrille, Zylinder und seine Gibson Les Paul nicht vorstellbar, holt in „Nightrain“ zum ersten längeren Solo aus, stützt die Gitarre auf den Oberschenkel und schlägt das harte Plektrum in den beringten Fingern über die Saiten.

Später, beim Guns´n Roses-Cover „Rocket Queen“, spielt er ein gut fünfzehnminütiges Solo; Derartiges war lange Zeit verpönt, ist jedoch auch bei jungen Bands im Zuge des Siebziger Rock-Revivals wieder häufiger zu hören.

Es gibt virtuosere, technisch versiertere oder schnellere Gitarristen, obwohl seine Soli auch diese Charakteristika aufweisen, aber Slash hat vor allem einen guten Ton, dem er Zeit lässt, sich zu entfalten, dazu Feeling und  einen eigenen Stil, der, im Blues geerdet, unberechenbar sein Erscheinungsbild wechselt. Cool ist der Mann ganz nebenbei auch noch, begeistert die Mädels im Publikum ebenso wie Väter, die ihren Söhnen mal zeigen wollen, wer ihnen die Teenagerjahre veredelt hat. Und über die heutzutage inflationäre Bewertung, dies oder jenes sei „Rock`n Roll“, kann ein Mann, der wegen seines (damaligen) exzessiven Lebenswandels mit 35 einen Defibrillator eingesetzt bekommen hat, wohl nur müde lächeln.

Das aktuelle Album „World On Fire“ kommt mit sieben Songs zu Ehren, aus denen der schnelle Titelsong sowie das stampfende „Beneath The Savage Sun“, das nach einem leisen Mittelteil in ein fulminantes Solo mündet, herausstechen.

Bassist Todd Kerns überrascht als souveräner Leadsänger bei „Dr. Alibi“ sowie dem G`n R-Klassiker „Welcome To The Jungle“, wie überhaupt die Band um Slash keineswegs Staffage für einen Selbstdarsteller ist. Er ist das kreative Zentrum eines Rockkollektivs, das die umjubelten Hits wie „Sweet Child O`Mine“ und das finale „Paradise City“ so knackig inszeniert, wie es diese Songperlen verdient haben. Einziger Wermutstropfen ist mal wieder die sehr bescheidene Akustik der Sporthalle, die vor allem eines produziert: Brutale Lautstärke. Aber das ist eben Rock`n Roll, oder?

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