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Süßer die Flaschen nie klingen

Glas-Blas-Sing Quintett in Lutterbek Süßer die Flaschen nie klingen

Der Adventskranz der Musiker vom Glas-Blas-Sing Quintett trägt fünf Kerzen. Und solange sie brennen, geht’s im Weihnachtsprogramm "Süßer die Flaschen nie klingen" hoch her.

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Gute Laune aus Berlin: Das Glas-Blas-Sing Quintett mit seinem originellen Instrumenten-Arsenal.

Quelle: Foto: MICHAEL KANIECKI; michael kaniecki

Lutterbek. Beim Glas-Blas-Sing Quintett ticken die Uhren etwas anders. Schon nach der vierten Nummer rauscht der Applaus wie zum Abschied. Außerdem trägt der Adventskranz der Flaschenmusiker fünf Kerzen – jeweils eine für jedes Mitglied – und solange sie brennen, geht’s im Weihnachtsprogramm Süßer die Flaschen nie klingen hoch her. Das Motto des munteren Fünfers: Inklusion für alle. Es ist für denjenigen etwas dabei, „der schon im Oktober die Schnauze voll hat von Weihnachten, und natürlich für alle, die sich darauf freuen“, erklärt Andreas „Endie“ Lubert.

 Also immerzu ran an die Flaschenhälse. Auf ein Depeche Mode Cover folgt ein eigenes Lied über die Weihnachtsscherereien, darauf eine Komposition von Johann Sebastian Bach. Letztere wohlgemerkt blind mundgeblasen mit Kronkorken auf den Augen. Nebenbei paaren die Berliner ihre Musik mit allerlei Komödie. Jan „Fritze“ Lubert sucht beim Bach-Lied das Mikrofon, mitunter dienen die eigenen Köpfe als Schlaginstrument und „Endie“ hat sich an den Flaschen mit den Daumen „verploppt“. Wie es sich für eine Unterhaltungsgruppe gehört, bleiben natürlich die Mitmach-Plätze in der ersten Reihe nicht verschont. Es rieselt Konfetti-Schnee, zum Flaschenmusik-Memory-Weihnachtsspecial werden „Freiwillige“ schnell gefunden.

 Staunen im vollen Lutterbeker auch über den Ideenreichtum und mit welchen Getränkeutensilien, außer den Flaschen, noch Musik gemacht werden kann. Die Wasserspender-Djembe wird per Hand geklöppelt oder samt Choreografie mit den ausziehbaren Plastikgriffen von Getränkekisten geklappert. Kleinkunst ganz groß. Das Sammelsurium scheint schier unerschöpflich. Zu jedem Lied wird eine neue Komponente aus dem Hut gezaubert und jedes Mitglied schlüpft in eine Rolle. Da ist im rosa Hemd Jens Peter Tangermann als cooler Draufgänger, Frank Wegner im orangefarbenen Hemd als debil wirkender Tollpatsch, der freche „Fritze“ im grünen Hemd, in Rot der nüchterne David „Möhre“ Möhring und der vorwitzige „Endie“. Ein unberechenbares Quintett, in dem keiner verzichtbar bleibt. Durch die hohe Gagdichte werden zwischenzeitliche Vorbereitungsphasen einfach verschluckt.

 Geht es ins nächste Lied, sprühen die Texte vor Wortwitz („Das Gegenteil von Automatisch Älter ist Manuel Neuer“). Es werden Auto-Heckscheiben-Slogans ebenso besungen wie die zu kurzen Arme des Tyrannosaurus Rex. Dann sagt das Glas-Blas-Sing Quintett Danke. Und zwar zur grünen 0,33 Liter Longneck-Flasche ohne die es sie nicht geben und damit auch kein frischer Wind im klassischen Advents-Liedgut wehen würde. Zudem verbessern sie Aloe Blacc: „I need a bottle!“ Bis die fünf Kerzen ausgehen.

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