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Godot, Liebeskummer und sprechende Handys

Schriftstellerin Marion Brasch im Nordkolleg Rendsburg Godot, Liebeskummer und sprechende Handys

Marion Brasch ist die kleine Schwester der Schriftsteller Thomas und Peter Brasch und des Schauspielers Claus Brasch. Jetzt las die Schriftstellerin und Radio-Journalistin im Nordkolleg Rendsburg.

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Schelmische Erzählerin: Marion Brasch.

Quelle: hfr

Rendsburg. Sie hat etwas übrig für die wunderlichen Seiten des Lebens, für die Ränder der Realität, an denen die Welt hinausdriftet, dahin, wo es nicht ganz mit rechten Dingen zugeht. Ja, sagt Marion Brasch und lächelt koboldisch in die gut gefüllte, von Britta Lange kundig moderierte Leselounge im Nordkolleg, Märchen sind das eine. Und dann ist da noch das Absurde und Unerklärliche, das sie mag, wie es bei Michail Bulgakow, in den Stücken von Samuel Beckett oder den Kürzestgeschichten des russischen Schriftstellers Daniil Charms schillert.

 Ihr erstes Buch Ab jetzt ist Ruhe entstand aus der Geschichte ihrer jüdisch-kommunistischen Familie in Ost-Berlin, erzählt viel von den Künstlerbrüdern Thomas, Claus und Peter. Jetzt heißen ihre Helden Wunderlich wie der „Hutmann“ im Roman Wunderlich fährt nach Norden (S. Fischer), der Liebeskummer hat und „ein klugscheißendes Telefon“, das ihm einflüstert, was er nicht wissen will, und auf Nachfragen gern mal die Antwort verweigert. Oder Herr Godot, der im neuen, nächste Woche bei Voland & Quist erscheinenden Roman „irrtümliche Abenteuer“ erlebt. Zum Beispiel, dass seine größte Panik wahr wird und es Katzen und Hunde regnet.

 Godot begleitet die Schriftstellerin und Hörfunk-Journalistin schon länger. „Den habe ich mir geklaut“, schmunzelt sie; eine Figur, die in ihrer Musiksendung auf Radio DT 64 „durch die Songs spaziert“. Sie wollte einfach wissen, warum dieser Godot nicht kommt, wo er bei Beckett doch so beharrlich erwartet wird. „Vielleicht hat er sich verlaufen“, sagt sie spitzbübisch und beginnt mit dieser Frage ihren Roman.

 Marion Brasch nimmt die Sprache beim Wort und zeigt, wie sich die Logik auflöst, wenn der Mensch mal nicht um die Ecke denkt. Da können Geschichten unverhofft abbiegen und höchst erstaunliche Wendungen nehmen – ähnlich wie Wunderlichs rätselhaft anonyme Telefonansagen ständig neue Optionen für den Verlauf eröffnen. Und in einem so herrlich verdrehten Satz wie diesem gibt es ohnehin immer mehrere Ausgänge: „Godot schickte die Katze Zigaretten holen und kam nicht zurück.“

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