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Viel Glanz aus Dresden

Gottorfer Hofmusik Viel Glanz aus Dresden

Spannende Kunst-Achsen ins kurfürstliche Sachsen und Bezüge zum großen, in Dresden als Hofkapellmeister schaffenden Komponisten Heinrich Schütz stehen im Mittelpunkt des diesjährigen Alte-Musik-Festivals Gottorfer Hofmusik, das vom 29. April bis 8. Mai in den historischen Räumen auf der Schlossinsel vor Schleswig stattfindet.

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Foto: Das Ensemble All Improvviso (kl. Foto) demonstriert barocke Spielpraxis im Familienkonzert.

Quelle: Stiftung Landesmuseen Schloss Gottorf

Schleswig. Die Nähe zu Sachsen und Schütz, erläutert die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung und Kuratorin des Festivals Uta Kuhl, sei auf Gottorf größer als man meinen könnte. Die Mutter des Kieler Universitätsgründers Herzog Christian Albrecht, die sächsische Prinzessin Maria Elisabeth (1610-1684), hatte musikalischen Unterricht bei Schütz genossen. Der Komponist selber besuchte Gottorf im Jahr 1634. Und der prägende Gottorfer Hofkapellmeister Johann Theile (1646-1724) gilt als einer der letzten Weißenfelser Schüler des 1672 verstorbenen Schütz.

 Theile und seinen innigen Seelenmusiken ist am 8. Mai zum 370. Geburtstag das Abschlusskonzert in der Schlosskapelle mit der Hamburger Ratsmusik und dem Gesangsstar Dorothe Mields gewidmet. Ein Radio- und CD-Mitschnitt soll das klingende Erbe Gottorfs dokumentieren.

 Schütz und seine Kollegen Samuel Scheidt und Johann Hermann Schein sind am 1. Mai in der Schlosskapelle mit Effekten der Mehrchörigkeit (T-bone Brass; Tim Maas, Gesang; Pieter van Dijk und Krzysztof Urbaniak, Orgel) Gegenstand. Hier gibt es auch eine Schnittstelle zur parallel laufenden Orgelakademie, die elf Talenten aus ganz Europa an dem einzigartig erhaltenen Barockinstrument schult.

 Auf Antonio Caldaras italienische Motetten am Dresdner Hof schaut das United Continuo Ensemble mit Gesangssolisten am 4. Mai in der Schlosskapelle. Den eigenständigen Streicherglanz am Gottorfer Hof will Veronika Skupliks Spezialistenensemble La Dolcezza schon am 30. April im Hirschsaal mit Violinen, Violen, einer Viola da Gamba und einer Erzlaute beschwören. Und am Rande wird es an Himmelfahrt für die ganze Familie interessant, wenn das Ensemble All’Improvviso im Hirschsaal vorführt, „wie zu Bachs Zeiten Livemusik gemacht wurde“.

 Uta Kuhl hat ein „gut gelaufenes“ Festival 2015 im Rücken, wovon der Nachklang der besonders spektakulären Gottorfer Staatsmusiken dieser Tage beim Raritäten-Label cpo (Vertrieb über www.jpc.de) erscheint: Im Schleswiger Dom hatte das Ensemble Weser-Renaissance Trauermusiken von Johann Philipp Förtsch und Michael sowie Georg Österreich wiederbelebt.

 Ganz so große Sprünge können die Landesmuseen in diesem und hoffentlich auch in den kommenden Jahren nicht machen, obwohl sich die Sparkassen-Stiftung, das Land, die Kirche, die Zeit-Stiftung und der Freundeskreis ins Zeug legen. „Wenn es gut läuft, können wir ein Drittel der Kosten durch Karteneinnahmen decken“, sagt Kuhl im Blick auf die beschränkten Platzkapazitäten der historischen Räume. Auf der anderen Seite seien es ja gerade diese, die dem Projekt den optimalen Rahmen geben. „Die Schlosskapelle ist ein seit 400 Jahren unveränderter originaler Klangraum mit anspruchsvoll klarer Akustik, die die Polyphonie in den Jahrzehnten vor Bach besonders plastisch darzustellen vermag“, so Kuhl.

 Wenn an diesem Freitag zur Eröffnung dort die Hochfürstlich Sachsen-Weißenfelsischen Hoftrompeten aufmarschieren und mit Orgel und Pauken in Dialog treten, um den „Festtagsglanz an Fürstenhöfen“ heraufzubeschwören, wird das unmittelbar greifbar werden.

www.gottorfer-hofmusik.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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