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Rom sehen und zeichnen

Volker Lehnert im Atelierhaus Rom sehen und zeichnen

Wuselig sieht das Blatt aus, das Auge muss sich erst seinen Weg bahnen auf der Radierung von Volker Lehnert. Dann fügen sich die kurvigen und krakeligen Linien zu Architektur, dann sind freie Flächen als Straßen und Plätze zu erkennen.

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„Großes Gehege“ nennt Volkert Lehnert seine großformatigen starkfarbigen Unikatdrucke.

Quelle: mwe: Manuel Weber

Kiel. Busse, vielleicht auch Straßenbahnen sind zu ahnen, denn die Porta Maggiore, eines der großen Stadttore Roms, die der Maler und Grafiker aus Witten (Ruhr) hier auf seine Weise ins Bild setzt, ist ein verkehrsumtoster Ort. Und man meint sie zu spüren, die nervöse Energie dieses Platzes, meint den hitzigen Lärmpegel im Ohr zu haben.

 Volker Lehnert setzt seine Annäherungen an die Wirklichkeit aus Versatzstücken zusammen. Die Topografie ist da allenfalls ein Anhaltspunkt. Im Atelierhaus im Anscharpark ist eine Auswahl des grafischen Werks des 60-Jährigen zu sehen, der an der Akademie Stuttgart lehrt. In der spannungsvoll gehängten Ausstellung präsentiert Lehnert vorwiegend neuere Arbeiten, die meist in Serien entstehen. Radierungen wie das eingangs erwähnte Blatt aus der Serie Römisches Gelände, starkfarbige Unikate, die Hochdruck und Monotypie kombinieren, und Farblithografien.

 Dass Lehnert auch Maler ist, sieht man vor allem den großformatigen Hochdruckblättern an, die sich im lichten Ausstellungsraum kraftvoll behaupten. Großes Gehege nennt Lehnert diese Unikatserie, weil sie den vom Menschen definierten oder gebauten Raum in den Blick rückt. Lehnert lässt hier rote Akkorde leuchten, versetzt sie mit expressiven breiten Lineaturen oder Rastergittern und fügt hier und da eine menschliche Gestalt ein, die Maßstäblichkeit herstellt.

 Grundlage seiner künstlerischen Arbeit ist das Zeichnen. „Zeichnen heißt für mich Wirklichkeit aufnehmen und sie anverwandeln“, sagt Lehnert, der bei aller Unschärfe des Realen die Grenze zur Abstraktion nicht überschreiten will – er brauche sie eben, diese Verbindlichkeit. Das Formenkompendium, das sich auf den zahlreichen Reisen Blatt für Blatt ansammelt, wuchere in seiner Malerei weiter, sagt der Künstler, der bereits 2009 mit einer Einzelausstellung im Niebüller Richard Haizmann Museum vertreten war. Mit einer Ausstellung unter dem Titel Geläufiges Gelände. Kritzelbarock wird er dort ab Mitte März ein zweites Mal präsent sein.

  Atelierhaus im Anscharpark, Haus 8, Heiligendammer Str. 15, Kiel. Bis 9. Oktober, Di-Fr 15-18, Sa/So 14-18 Uhr. www.atelierhaus-im-anscharpark.de

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