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Grafisches mit Asche und Faden

Kunsthalle Kiel Grafisches mit Asche und Faden

Grafische Lust am Experiment: neue Präsentation in der Kunsthalle Kiel.

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Kuratorin Annette Weisner vor einer Wandarbeit von Monika Grzymala.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Kiel. Kiel. Ungeahnte Bedeutung erhält der Satz „Papier ist geduldig“ angesichts der Ausstellung, die Annette Weisner unter dem Titel Asche, Faden, Kleber in der Graphischen Sammlung der Kunsthalle eingerichtet hat. „Wir wollten Experimentelles zeigen“, erläutert die Kuratorin ihre Auswahl der insgesamt 23 Werke von elf zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern aus dem Bestand der Sammlung.

 Geklebt, genäht, gedruckt oder geschnitten: Alle Arbeiten beruhen auf traditionellen Techniken, durch Einbeziehung ungewöhnlicher Vorgehensweisen und Materialien werden allerdings neue Wege beschritten. Die dynamisch-luftigen Monotypien der Norwegerin Bente Stokke etwa basieren auf Zeichnungen mit Asche von Müllverbrennungen und isländischen Vulkanen, deren spezifische Farbigkeit nach dem Druckvorgang ein Eigenleben entwickelt. Fotografische Schnappschüsse sind Ausgangspunkt der fein gearbeiteten Holzschnitte des Japaners Katsutoshi Yuasa, der durch eine wechselnde Dichte der Linienführung changierenden Effekte von Grautönen erzielt.

 Der klassische Scherenschnitt steht Pate bei den geometrisch strukturierten, durch Schichtungen räumlich anmutenden Arbeiten von Hansjörg Schneider. Auch Monika Grzymalas objekthafte Raumzeichnungen gehen auf diese Technik zurück. Wie ein Mobile schwebt ihre Linea aus zwölf gestanzten und neu zusammengeklebten Teilen im Raum, mit der die Polin eine Lanze für die Emanzipation der Linie bricht. An schlichte Umrisszeichnungen lassen die stillen landschaftlichen Momentaufnahmen von Michaela Meliàn denken. Die Motive, mit denen die Künstlerin sich auf Spurensuche in die NS-Vergangenheit begibt, sind mit schwarzen Fäden genäht. Gelegentlich baumelt einer lose vom Blatt – die klassisch fixierte Linie löst sich auf. Ein wenig Farbe bringt Robert Lucander in den ansonsten Schwarzweiß dominierten Rundgang. Figürliche Motive hat der Finne auf Holzplatten gemalt und anschließend in Duckgrafik umgesetzt. Die Maserung übernimmt dabei eine wichtige gestalterische Rolle und setzt verblüffend bewegte Akzente. Neben Elsbeth Arlt, die den Titel ihrer dreiteiligen Arbeit „Buchdruck“ wörtlich nimmt, darf der jüngst gekürte Kieler Kulturpreisträger Ulrich Behl in dieser facettenreichen Schau nicht fehlen. Mit seinem Objekt aus seriellen weißen Papiersegeln geht er seiner künstlerischen Lieblingsbeschäftigung nach: Er stellt dem Licht eine Falle.

 www.kunsthalle-kiel.de

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