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Gute alte Hardrock-Röhren

Wacken Gute alte Hardrock-Röhren

Weiterhin Stiefelwetter in Wacken, das am Donnerstag britischen Altheroen wie Saxon, Foreigner, Whitesnake und Iron Maiden die große Bühne bot.

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Polnisches Death-Metal-Urgestein: Vader locken ihr Publikum lustvoll in düstere Abgründe.

Quelle: Foto: Michael Kaniecki

Wacken. Alle Bands sind mit guten Sängern im klassischen Sinne versehen – allen voran Peter „Biff“ Byford von Saxon; der 65-Jährige beherrscht nach wie vor das Elementare: Er rockt.

 Die folgenden Foreigner hatten mit I Want To Know What Love Is einen schmusigen Top-Ten-Hit, der oft vergessen lässt, dass das britisch-amerikanische Sextett eine gute Hardrock-Band ist. Head Games, Double Vision und das bekannte Cold As Ice sind ein guter Wacken-Einstieg – Beleg für die Akzeptanz der Rock-Historie in Wacken ist ein junger Mann im „Hatebreed“-Shirt, der den Refrain der saxophonlastigen Poprocknummer Urgent mitsingt. Höhepunkt ist das vom Wacken-Chor mitgesungene Juke Box Hero.

 Hardrockend geht es weiter mit Whitesnake, der Band des ebenfalls knapp 65-jährigen David Coverdale, der von 1973-76 die Stimme von Deep Purple war. Gnadenvoller Gitarrensound und Kult-Drummer Tommy Aldrige (u. a. Pat Travers Band, Ozzy Osbourne, Thin Lizzy) begleiten den kraftvollen Coverdale-Auftritt durch Hits wie Fool For Your Loving oder das auch hierzulande erfolgreiche Here I Go Again. Verschnaufpausen für Herrn Coverdale werden durch (Gitarren-) Soli, in Wacken ja die reine Meditation, unterhaltsam gefüllt.

 Ablichten lassen sich Whitesnake sowie der absolute Headliner Iron Maiden nur von ausgewählten Fotografen, was weniger eine Altherrenmarotte als vielmehr Wunsch des Managements ist. Angst vor Falten im Close-Up?

 Solche Bedenken kennt Piotr „Peter“ Wiwczarek sicher nicht; der Frontmann der polnischen Death-Metal-Legende Vader zieht die Fans im proppenvollen „Bullhead-City“-Zelt hinab in die dunklen Tiefen der Psyche.

 Eine willkommene Abwechslung vor dem Publikumsmagneten Iron Maiden, der gefühlt alle 80000 Menschen Richtung True Stage zieht. Die Band um Sänger Bruce Dickinson (wird morgen 58) ist trotz 90 Millionen verkaufter Scheiben bodenständig geblieben; Dickinson kommt in Pullover und Hose auf die Bühne, in denen er vermutlich noch vorher backstage einen Minztee zu sich genommen hat. Im Gegensatz zu anderen Legenden haben die Briten im letzten Jahr mit The Book Of Souls erneut ein relevantes Werk veröffentlicht, das mit sechs Songs vertreten ist. Stilprägend sind neben Dickinsons Vibrato und Hang zur Dramatik die unisono Twin-Gitarrenmelodien, der dominante Bass-Sound von Bandgründer Steve Harris und die epischen Songs wie Hallowed Be Thy Name oder Fear of The Dark, die schon bei den ersten Tönen Jubel aufbranden lassen. Monster-Maskottchen „Eddie“ ist ohnehin stets als Kostüm oder Teil des Bühnenbildes vertreten. Würdiger Abschluss einer 72 Konzerte umfassenden Welttournee.

 Auf der kleinen Headbangers Stage im Zelt lässt anschließend der finnische Ex-Hanoi-Rocks-Frontmann Matti Fagerholm alias Michael Monroe ganz herzerfrischend in bester punkiger Glamrock-Manier die Rock’n-Roll-Sau raus und geht erst dann zufrieden ab, nachdem er sämtliche Mikroständer umgetreten hat.

 Durch immer wieder niedergehende Schauer hält sich der von Tausenden Füßen durchgeknetete Matsch konsequent, aber wer das letzte Jahr vor Augen hat, kann darüber nur schmunzeln. Die gleiche Reaktion erfährt die Tatsache, dass auf den großen Videowänden zwischen den Hauptbühnen auch Bankenwerbung zu sehen ist. Kult und Kommerz in trauter Eintracht … Höhepunkte des Abends waren (nach Redaktionsschluss) sicher die Auftritte der deutschen Speed-Metaller Blind Guardian und der amerikanischen Kult-Thrasher Testament.

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Positives Fazit
Foto: Das Wacken-Festival 2016 ist zu Ende.

Das berühmteste Heavy-Metal-Festival der Welt in Wacken ist zu Ende. Bis spät in die Nacht zu Sonntag brummten noch die letzten Töne über das Gelände, bevor sich die „Metalheads“ Richtung Heimat verabschiedeten.

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