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Gut ist hier gar nichts

Shakespeares "Ende gut, alles gut" im Landestheater Gut ist hier gar nichts

Mit der Liebe ist es so eine Sache. Man kann sie nicht erzwingen, genauso wenig wie das Glück. Helena aus Shakespeares Komödie Ende gut, alles gut" versucht es dennoch und darf nach listenreichem Spiel titelgemäß zumindest einen Teilerfolg verbuchen.

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Gefährliche Schräglagen, affige Edelleute: Ensemble-Szene aus „Ende gut, alles gut“ im Landestheater.

Quelle: SH Landestheater

Rendsburg. Die nachdenkliche Protagonistin ist alles andere als eine typische Komödienfigur. Wie ein Hund leidet sie an ihrer unerwiderten Liebe zu dem oberflächlichen Grafen von Roussillon. Und so passt das Stück, in dem es auch um die wenig reflektierte Kriegsbegeisterung einer gelangweilten Oberschicht geht, nicht recht ins Genre. Wolfram Apprich bleibt in seiner Inszenierung am Landestheater ambivalent, bedient mit Freude an der Überzeichnung komödienhafte Momente und lässt dennoch Raum für Nachdenkliches.

 Es ist etwas faul im Staate, daran lässt Apprich keinen Zweifel. Eine Drehbühne, die gefährliche Schräglagen provoziert, affige Edelleute und ein unberechenbarer König: Gut ist hier gar nichts. Das zeigt schon der musikalische Prolog. Zu einer jazzigen Komposition (Musik: Christoph Coburger) wird ein melancholisches Lied gesungen, das überhaupt nicht zur Einspielung passt – ein musikalischer Spagat, glänzend gemeistert von Lisa Karlström. In ein gestepptes Ungetüm zwischen Mantel und Rock gehüllt, das sie zeitlich von der historisch animierten Gewandung ihrer Mitspieler abhebt, hält sie auf einer düster schmucklos belassenen Bühne (Mirjam Benkner) als Helena die Fäden in der Hand.

 Das Mündel der Gräfin Roussillon (mit schwingendem Reifrock manieriert ausgestellt wie eine Puppe: Ingeborg Losch) ist rettungslos in deren Sohn Bertram verliebt, doch dem ist die verwaiste Tochter eines Arztes schnurz und zudem nicht standesgemäß. Groß ist daher sein Entsetzen, als er vom König, der dank der heilkundigen Helena von einer todbringenden Krankheit genesen ist, zur Heirat mit ihr gezwungen wird (mit Spielwitz vom siechen Tattergreis zum agilen Springteufel: Reiner Schleberger). Bertram protestiert, indem er seiner Frau die eheliche Nähe verweigert und stürzt sich gemeinsam mit seinen Kumpels in einen Krieg, der zwischen Frankreich und Italien tobt.

 Apprich zeigt die jungen Edelmänner als Karikaturen, steckt sie in geckenhafte, kurios geschlitzte Klamotten und stellt sie in seltsam verrenkter Haltung auf die Bühne. Begeistert von der Idee, im Krieg durch heldenhafte Taten zu glänzen, sind die dümmlichen Herrschaften jedoch vornehmlich mit ihrer wallenden Haarpracht beschäftigt, die ihnen immer wieder die Sicht zu rauben droht. Bertram (Johannes Lachenmeier) fuchtelt dabei ständig mit dem Degen durch die Gegend, der leicht debile Parolles (Stefan Wunder) schleppt seine Waffen wie ein Bündel Golfschläger herum und den latent homosexuellen Lafeu (Lorenz Baumgarten) scheint außer seiner Frisur wenig zu interessieren.

 Aus diesem Haufen von Witzfiguren ragt Helena als einziger Charakter heraus. Eher tragische Heldin als ein gewitztes Frauenzimmer, erschleicht sie sich eine Liebesnacht mit Bertram, der fortan zu seiner Ehe stehen muss. Ende gut, alles gut? Apprich lässt die Frage offen und gibt sie weiter an sein Publikum, das der Premiere in Rendsburg verdient stattlichen Applaus zollte.

  Weitere Aufführungen: 27.4. Schleswig, 4.5. Flensburg, 5.5. Schleswig, 11.5. Itzehoe, 28.5. Rendsburg. www.sh-landestheater.de

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