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Mit Carmen in der Spieluhr

Bizets Oper am Landestheater Mit Carmen in der Spieluhr

Carmen. Was sonst und warum nicht? Mit einer der erfolgreichsten Opern überhaupt eröffnete das Landestheater in Flensburg die neue Musiktheater-Saison.

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Carmen im Mittelpunkt: Julia Mintzer erscheint als Idealbesetzung.

Quelle: LTSH

Flensburg. Georges Bizets Klang gewordener Tanz auf dem Vulkan ist ein in jeder Hinsicht großes Stück Welttheater, das von den (von Bernd Stepputtis exzellent präparierten) Chören über Orchester und Solisten so ziemlich das komplette Personal einer Oper auf der Bühne versammelt und damit nicht nur Häuser mittlerer Größe vor enorme Herausforderungen stellt.

 Und genau damit hatte die Inszenierung von Hajo Fouquet (Lüneburg) so ihre Not. In den vielen Tutti war die Szene so voll, das den Hauptfiguren für tragende Aktionen oder gar ein nuanciertes Spiel schlicht der Raum fehlte. Der Abend wirkte zuweilen wie eine gewaltige, kunstvoll gestaltete Spieluhr, bei der zu wunderschöner Musik Figuren mechanisch vorbestimmte Bahnen abschreiten. Aber das kann ja auch durchaus so gewollt sein.

 Sevilla. Die Zigeunerin Carmen ist Arbeiterin in einer Zigarettenfabrik – die Amerikanerin Julia Mintzer als Gast ist eine Idealbesetzung: kess, lasziv, kokett, und stark. Ihr Sopran leuchtet feurig, während sie im Mezzo durchaus andeutet, dass mit ihr nicht immer zu Spaßen ist. Sie hat es auf den jungen Soldaten Don José abgesehen – nach gesundheitlich bedingten Irritationen zu Beginn kämpft sich Junghwan Choi im wahrsten Sinne des Wortes in die Rolle und bringt seinen dramatischen Tenor zusehends in Stellung. Bei einem Streit verletzt Carmen eine Kollegin und ausgerechnet José muss sie verhaften, lässt sie aber dennoch laufen. Einige Tage später treffen sich die beiden in einem Schmugglerversteck wieder, doch das kurze Glück der Liebenden endet, als José in die Kaserne zurück eilen will. Darüber ist Carmen natürlich empört. Pflicht wichtiger als Liebe? Wo gibt's denn so was? In diesem Moment erscheint Josés Vorgesetzter Zuniga (tadellos in Spiel und Gesang: Bass Markus Wessiack) und bezirzt Carmen, was José gar nicht gut findet, weshalb er Zuniga mit seinem Schwert attackiert. Nun muss José selber das Weite suchen und findet bei den Schmugglern Unterschlupf. Dumm nur, dass Carmen sich jetzt dem strahlenden Torero Escamillo zuwendet (Jorge Martinez mit ausreichender Eitelkeit und männlich markantem Bass). Der abgewiesene José schwört Rache. Vor der Arena zu Sevilla kommt es schließlich zum tödlichen Showdown. Anna Schoeck als scheues Bauernmädchen Micaëla, Christopher Hutchinson und Samuel Smith als Schmuggler Remendado und Dancaïro, Marian Müller als Sergeant Moralès sowie Tina Marie Herbert und Paulina Schulenburg als die Freundinnen Frasquita und Mercédès komplettieren ein brillantes Ensemble.

 Das ausgesprochen clevere Bühnenbild von Stefan Rickhoff bildet mit einem einzigen teilbaren, beidseitig bespielbaren Bühnenelement die Zigarettenfabrik, den Unterschlupf der Schmuggler und die Stierkampfarena ab. Die eigentliche Spielfläche in der Mitte besteht aus einem schräg gestellten Kreis, der nicht nur das Motiv der Arena, also des Kampfes, von Anfang an etabliert, er mag auch das Lebensrad, die unausweichliche Schicksalhaftigkeit des Geschehens symbolisieren.

 Das, was die Inszenierung an Lebendigkeit missen lässt, liefert die musikalische Interpretation von GMD Peter Sommerer. Er findet für die allseits bekannten spanischen Rhythmen des Franzosen Bizet einen klaren, prickelnden, forcierenden und von jeder folkloristischen Verwaschung befreiten Ton. Und im dunklen chromatischen Todesmotiv etwa dräut es entsprechend düster, aber eben nicht melodramatisch aus dem Graben. Das Publikum im ausverkauften Haus bedankte sich mit großem Applaus für diesen insgesamt beachtenswerten Saisonauftakt.

  Aufführungen: Flensburg: 30.9.und 4.10. (jeweils 19.30 Uhr) ; 19.10. (19 Uhr) ; 23.10. (16 Uhr). Rendsburg: 2.10. (16 Uhr); 9.10. (19 Uhr); 29.10. (19 Uhr). Weitere Termine: www.sh-landestheater.de

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