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Trauer um Hellmuth Karasek

Hamburg Trauer um Hellmuth Karasek

Das „Literarische Quartett“ hat ihn berühmt gemacht: Hellmuth Karasek, der jetzt in Hamburg starb. Menschen aus Politik und Kultur würdigen den Literaturkritiker für seine Verdienste um die Kulturvermittlung.

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Hellmuth Karasek starb am Dienstag im Alter von 81 Jahren, wie seine Familie in Hamburg bestätigte.

Quelle: Angelika Warmuth/dpa

Hamburg. Mit Billy Wilder ackerte er vier Sommer lang im sonnigen Beverly Hills an der Biografie „Nahaufnahme“ (1993), die der legendäre Filmregisseur und Humorist im Ergebnis mit einem trockenen „not bad“ quittierte. Woody Allen nahm ihn in New York mit zum Dreh einer Sexszene, nicht ohne dabei fallen zu lassen: „Früher hätte ich die Szene selbst gespielt.“ Und die medienscheue Marlene Dietrich bekam Hellmuth Karasek zum Interview immerhin ans Telefon. Alles prima Stoff zum launigen Weitererzählen. Eine Disziplin, die Hellmuth Karasek in Perfektion beherrschte. Jetzt ist der Journalist, Kritiker und Autor mit 81 Jahren in Hamburg gestorben.

Anekdoten hatte Karasek stets auf Lager. Am liebsten die von anderen Leuten; die setzte er mit viel Liebe zu seinen Figuren und zum Detail in Szene. Er selbst war sich da nicht so wichtig. Schließlich, so schrieb er in seiner Autobiografie „Auf der Flucht“, war er unter anderem Journalist geworden, „um die Großen dieser Welt zu interviewen, sprechen, kritisieren und bewundern zu können“. Was dann auch funktioniert hat – siehe oben.

Seine journalistische Laufbahn begann Karasek, der 1934 im mährischen Brünn zur Welt kam, bei der „Stuttgarter Zeitung“. 1968 wurde der promovierte Germanist Theaterkritiker der „Zeit“, 1974 bis 1991 leitete er das Kulturressort des „Spiegel“. Ins Fernsehen kam er 1988 mit Sigrid Löffler, Marcel Reich-Ranicki und dem legendären „Literarischen Quartett“. Nebenbei fand der Vater von vier Kindern immer Zeit, auch noch Bücher zu schreiben. In denen erweist sich Karasek als Alleswisser und Feuilletonist alter Schule, der bei aller Liebe zur hohen Kunst immer auch das Populäre genoss. Und dem in den Neunzigern der Ruf vorausging, er bringe in seinen Texten mehr Pointen unter als jeder andere. Als wandelndes Filmkompendium konnte man ihn einmal in Rendsburg bei der Vorstellung von „Mein Kino“ erleben, als lustvollen Dekonstrukteur der Mythen der Fünfziger im Buch „Go West“. Und immer blitzte der Schalk im Blick. Denn bei aller journalistischen Akribie war Karasek ja auch ein Schwärmer, der über den Humor zu begeistern suchte.

In Kiel war der eloquente und charmante Plauderer seit 1993 regelmäßig zu erleben – mit seinen Büchern, aber auch bei den Premieren im Theater Kiel, das sein Sohn Daniel Karasek als Generalintendant leitet. Ende November hätte Hellmuth Karasek wiederkommen sollen, mit dem jüngsten und nun letzten Buch „Das finde ich aber gar nicht komisch“, dem zweiten Band mit „Geschichten in Witzen und über Witze“.

„Der Witz ist eine gute Erklärung für den Ernst des Lebens“, hat Hellmuth Karasek noch im Frühjahr im Interview mit einem Schweizer Journalisten gesagt. Man könnte das als Credo des Journalisten lesen, der außerdem den „Tagesspiegel“ mitherausgab, unter dem Pseudonym Daniel Doppler wortwitzige Boulevardkomödien schrieb, im Roman „Das Magazin“ seine Zeit beim „Spiegel“ verarbeitete und im „Literarischen Quartett“ von 1988 bis 2001 den entspannten Widerpart zu Marcel Reich-Ranicki gab. Die aufgeregten Tiraden des Freundes und 2013 verstorbenen Literaturpapstes nahm Karasek stets mit lässiger Nachsicht, freundlich stichelndem Witz, aber auch einer sichtbaren, von sprechendem Körpereinsatz befeuerten Lust am Wortgefecht. Witze übrigens hat Karasek auch dort schon gern erzählt.

Sein lebenslanges Faible für die komischen Kürzestgeschichten hat Hellmuth Karasek auch im Fernsehen im Doppel mit Eckart von Hirschhausen ausgelebt. Und erst kürzlich hatte Ikea den Kulturkritiker ermuntern können, im Youtube-Spot den aktuellen Katalog des Möbelriesen nach allen Regeln der Kunst zu rezensieren. „Ein möblierter Roman“, sagt Karasek da, sehr komisch, sehr lakonisch und ganz der Alte im Streit wider den Ernst des Lebens.

Seine journalistische Laufbahn begann Karasek, der 1934 im mährischen Brünn zur Welt kam, bei der „Stuttgarter Zeitung“. 1968 wurde der promovierte Germanist Theaterkritiker der „Zeit“, 1974 bis 1991 leitete er das Kulturressort des „Spiegel“. Ins Fernsehen kam er 1988 mit Sigrid Löffler, Marcel Reich-Ranicki und dem legendären „Literarischen Quartett“. Nebenbei fand der Vater von vier Kindern immer Zeit, auch noch Bücher zu schreiben. In denen erweist sich Karasek als Alleswisser und Feuilletonist alter Schule, der bei aller Liebe zur hohen Kunst immer auch das Populäre genoss. Und dem in den Neunzigern der Ruf vorausging, er bringe in seinen Texten mehr Pointen unter als jeder andere. Als wandelndes Filmkompendium konnte man ihn einmal in Rendsburg bei der Vorstellung von „Mein Kino“ erleben, als lustvollen Dekonstrukteur der Mythen der Fünfziger im Buch „Go West“. Und immer blitzte der Schalk im Blick. Denn bei aller journalistischen Akribie war Karasek ja auch ein Schwärmer, der über den Humor zu begeistern suchte.

In Kiel war der eloquente und charmante Plauderer seit 1993 regelmäßig zu erleben – mit seinen Büchern, aber auch bei den Premieren im Theater Kiel, das sein Sohn Daniel Karasek als Generalintendant leitet. Ende November hätte Hellmuth Karasek wiederkommen sollen, mit dem jüngsten und nun letzten Buch „Das finde ich aber gar nicht komisch“, dem zweiten Band mit „Geschichten in Witzen und über Witze“.

„Der Witz ist eine gute Erklärung für den Ernst des Lebens“, hat Hellmuth Karasek noch im Frühjahr im Interview mit einem Schweizer Journalisten gesagt. Man könnte das als Credo des Journalisten lesen, der außerdem den „Tagesspiegel“ mitherausgab, unter dem Pseudonym Daniel Doppler wortwitzige Boulevardkomödien schrieb, im Roman „Das Magazin“ seine Zeit beim „Spiegel“ verarbeitete und im „Literarischen Quartett“ von 1988 bis 2001 den entspannten Widerpart zu Marcel Reich-Ranicki gab. Die aufgeregten Tiraden des Freundes und 2013 verstorbenen Literaturpapstes nahm Karasek stets mit lässiger Nachsicht, freundlich stichelndem Witz, aber auch einer sichtbaren, von sprechendem Körpereinsatz befeuerten Lust am Wortgefecht. Witze übrigens hat Karasek auch dort schon gern erzählt.

Sein lebenslanges Faible für die komischen Kürzestgeschichten hat Hellmuth Karasek auch im Fernsehen im Doppel mit Eckart von Hirschhausen ausgelebt. Und erst kürzlich hatte Ikea den Kulturkritiker ermuntern können, im Youtube-Spot den aktuellen Katalog des Möbelriesen nach allen Regeln der Kunst zu rezensieren. „Ein möblierter Roman“, sagt Karasek da, sehr komisch, sehr lakonisch und ganz der Alte im Streit wider den Ernst des Lebens.

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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„Ein möblierter Roman“
Foto: „Was fehlte dem Buch, wenn es ein schöngeistiger Roman wäre?", fragte Hellmuth Karasek.

Kurz vor seinem Tod hat sich der Literaturkritiker Hellmuth Karasek noch in die Welt der Werbung gewagt und den neuen Ikea-Katalog rezensiert. Mit ironischem Unterton erklärte der passionierte Witzeerzähler es im August zum Skandal, „dass das meist verbreitete Buch der Welt mit einer Auflage von fast 220 Millionen Exemplaren bisher nie rezensiert wurde“.

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