15 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Vater der dänischen Malerei

Hamburger Kunsthalle zeigt Christoffer Wilhelm Eckersberg Vater der dänischen Malerei

Mit ihm begann und endete das sogenannte Goldene Zeitalter der dänischen Malerei: Christoffer Wilhelm Eckersberg (1783-1853) repräsentiert wie kein anderer die Blütezeit der dänischen Malerei im 19. Jahrhundert.

Voriger Artikel
Zwischen Witz- und Wutbürger
Nächster Artikel
Vom Zerlegen des klingenden Nichts

Christoffer Wilhelm Eckersberg: „Die Familie Nathanson“, 1818, Öl auf Leinwand.

Quelle: SMK - The National Gallery of Denmark

Hamburg. Seine unverstellten Porträts, realistischen Aktdarstellungen, dramatischen Marinegemälde und Wolkenstudien sowie seine detailgenauen Historien- und Genrebilder basieren auf genauester Kenntnis, Beobachtung und Wiedergabe des jeweiligen Bildgegenstands. Sie gelten als rigide durchkomponiert und bis ins letzte Detail perspektivisch in Szene gesetzt. Dabei verweisen sie stets auf Elemente der sichtbaren Welt. Aber „eine unmittelbare Wiedergabe des Gesehenen sind Eckersbergs Darstellungen keineswegs“, beugt Hubertus Gaßner, der Direktor der Hamburger Kunsthalle, gleich möglichen Missverständnissen vor.

 In der Ausstellung Eckersberg – Faszination Wirklichkeit sind jetzt rund 90 Gemälde sowie etwa 40 Aquarelle, Zeichnungen und Radierungen des Künstlers aus allen Schaffensphasen seiner mehrere Jahrzehnte umfassenden Karriere zu sehen. In abgewandelter Form wurde die Auswahl vor Kurzem bereits im Kopenhagener Statens Museum for Kunst präsentiert. Markus Bertsch hat die Schau für die Hamburger Kunsthalle neu eingerichtet. Mit Eckersberg zeigt das Museum einen dänischen Maler, den es allerdings bereits früh in die Welt hinauszog. Im Anschluss an sein Studium an der Kopenhagener Kunstakademie begab sich der junge Eckersberg zunächst nach Paris, wo er im Atelier von Jacques-Louis David mit dem gerade aufkeimenden Klassizismus in Berührung kam. In Rom hingegen entdeckte er, ausgerüstet mit Klappstuhl und Malkasten, sein Faible für die Freilichtmalerei in der Stadt und der sie umgebenden Campagna. Mit diesem malerischen Rüstzeug im Gepäck nach Dänemark zurückgekehrt, etablierte er sich als Professor an der Akademie wie als in bürgerlichen Kreisen beliebter Porträtist, Landschafts- und Genremaler.

 Hubertus Gaßner ordnet Eckersbergs Bildstrategie, insbesondere im Fall der Genregemälde, als außerordentlich fortschrittlich ein: „Ihrer Zeit weit voraus muten schließlich seine Genregemälde an, die wie ein Vorgriff auf die ,Ästhetik des Schnappschusses’ wirken – und das weit vor der Etablierung der Fotografie.“ Das 1840 entstandene, nur 34,5 x 26 Zentimeter große, aparte Gemälde Ein Seemann, seine Freundin verabschiedend etwa zeigt ein junges Paar, das vor einer hohen, ockerfarbenen Backsteinmauer auf dem Bürgersteig steht. Die langen Schatten, ihre leichte Kleidung und ein prachtvoller Baum voller intensivgrüner Blätter im Hintergrund deuten auf einen späten Abend im Sommer hin. Dennoch geht von der Szene etwas Disharmonisches aus, wendet sich die Frau doch eher missmutig von ihrem Freund ab, während dieser versucht, sie offenbar zu beschwichtigen.

 Zu Gast in Hamburg ist auch eines seiner berühmtesten Meisterwerke, das 1818 entstandene Gruppenbildnis Die Familie Nathanson. Es zeigt den jüdischen Kaufmann Mendel Levin Nathanson und seine Frau bei der Rückkehr von einem Besuch im dänischen Königshaus. Das Ehepaar wird von seinen in aufgeregter Erwartung herbeieilenden sieben Töchtern und dem Sohn im gehobenen Ambiente seines Zuhauses begrüßt. Eine für die Entstehungszeit außergewöhnlich moderne Momentaufnahme aus dem Leben einer bürgerlichen Familie. Mit Bildern wie diesen begründete Eckersberg seinen bis heute andauernden Ruhm als innovativer und Konventionen brechender, dabei aber stets der Objektivität verpflichteter „Vater der dänischen Malerei“.

 Hamburger Kunsthalle, Hubertus-Wald-Forum, bis 16. Mai 2016. Di-So 10-18, Do 10-21 Uhr. Katalog: Michael Imhof Verlag, 304 S., 29,80/49,95 Euro (Museum/Buchhandel) www.hamburger-kunsthalle.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3