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Kunst und Karaoke

Hampson und Grubinger Kunst und Karaoke

Sichtlich und auch erklärtermaßen nervös haben sich in der ausverkauften Hamburger Laeiszhalle am Dienstag zwei Größen auf ein außergewöhnliches Projekt eingelassen.

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Gegenseitige Wertschätzung: Thomas Hampson (links) und Martin Grubinger.

Quelle: Axel Nickolaus

Hamburg. SHMF-Schwerpunktkünstler Martin Grubinger landete mit seinem Percussive Planet Ensemble zwischen, um Thomas Hampson einzubinden. In den schräg glitzernden American-Songbook-Wunderwelten des amerikanischen Zeitgenossen George Crumb, angereichert mit Spiritual- und Gustav-Mahler-Anklängen, und ganz besonders in den bewegend alarmierenden Liedern, die John Corigliano dem 11. September gewidmet hat, agierte der amerikanische Starbariton mit beeindruckender Stimm- und Ausdrucksgewalt. Nach einem kleinen Fehlstart beim ersten Crumb-Song war hier auch Grubingers Schlägelhorde unter Hochspannung vielfarbig und rumorend hyperaktiv. Das war hohe Kunst am Puls unserer Zeit.

 Nach der Pause tappte Hampson dann aber in die Falle, in die schon viele „klassische“ Musiker und Sänger getappt sind. Er versuchte sich an Songs von Sting (von Russians bis Shape of My Heart) und Entertainer-Evergreens von Frank Sinatra (von Come Fly with Me bis New York, New York) zu dessen 100. Geburtstag. Hampson kam mit dem Mikrofonsingen nicht zurecht, war zudem mies ausgesteuert, intonierte aufgrund zweitklassigen Monitorings an der Idealspur vorbei. So strandete das Ganze nicht selten auf Karaoke-Niveau. Der Bariton hatte sichtlich seinen Spaß am Stress. Und das Publikum wurde zumindest von der druckvoll „funky“ aufspielenden, von Vater Grubinger aufgepeitschten Band begeistert. Ansonsten hilft vielleicht ein Meisterkurs bei Robbie Williams ...

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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