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Ziemlich schnelle Füße

Hamburger MKG widmet sich den Sneakers Ziemlich schnelle Füße

Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe widmet sich dem Sportschuh. Die neue Ausstellung Sneaker – Design für schnelle Füße beleuchtet die Spannbreite zwischen Alltagsschuh und Haute Couture, Sportschuh und Modeaccessoire, Kaufhausware und teurem Sammlerstück.

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Knallige Farben: Blick in die Sneaker Ausstellung im Hamburger MKG.

Quelle: mkg

Hamburg. Es sei eine Ausstellung mit „Bodenhaftung“, wie es sie bislang noch kein Museum in Europa gezeigt habe, sagte Museumsdirektorin Sabine Schulze am Donnerstag bei der Präsentation. Sneaker wird am heutigen Freitag eröffnet und bis zum 28. August gezeigt.

 Präsentiert werden rund 140 Paar Schuhe. Das älteste ist ein Paar kleiner Lederschuhe, wie sie 1936 bei den Olympischen Spielen in Deutschland getragen wurden. Daneben stehen ein handgenähter Turnschuh der Nachkriegszeit, ein Paar Fußballschuhe von der WM 1954 und ein Paar Sportstiefel mit roten Bändern, wie sie Muhammad Ali bei seinen WM-Boxkämpfen getragen hat.

 Rund 2500 Euro zahlen Sammler mittlerweile für ein Paar der ausgestellten Yeezy des Designers Kanye West, der sowohl für Nike als auch für Adidas produziert hat. Sammler würden heute spezielle Editionen als Wertanlage kaufen, sagte der Berliner Sammler Hikmet Sugör, der in Zusammenarbeit mit Sneaker-Produzenten eigene Kreationen auf den Markt bringt. In seiner Jugend in den 90er Jahren seien Sneaker noch Ausdruck von Leichtigkeit und Lässigkeit gewesen, weil man seine Schuhe nach dem Sportunterricht nicht mehr ausgezogen hat. Zu Sugörs Kreationen zählen auch Sneaker mit Orangenduft.

 Eine weitere Vitrine zeigt eine Sneaker-Auswahl aus dem nahe gelegenen Kaufhaus. Die Ausstellung wolle auch aufmerksam machen auf das aktuelle Design eines Schuhs, der für viele Jugendliche ein Kultgegenstand sei, sagte Kurator Jürgen Döring. Daneben sind auch Skurrilitäten zu sehen wie Schuhe in Bärchen-Form, mit Blumenmustern oder Silberflügeln. Präsentiert wird die Ausstellung in zwei Sälen – einen für den Sportschuh und einen für Modeschuh. Ein Sneaker-ABC klärt auf über Begriffe wie Deadstock oder Jumpman und erläutert, was ein Hype Beast ist oder wofür HTM steht. „Sneaker“ ist abgeleitet von „to sneak“ (dt.: schleichen).

 Daneben zeigt die Ausstellung rund 140 Werbe-Plakate und Drucke aus aller Welt. Es sei auch Aufgabe eines Design-Museums, solche aktuellen Plakate zu sammeln, weil die Produktionsfirmen und PR-Agenturen diese Plakate und Drucke überhaupt nicht mehr besitzen, sagte Döring. Oft hätten sie die Rechte nur für kurze Zeit erworben. Fündig sei das Museum vor allem bei den Designern selbst geworden, die ihre Plakate zum Teil nur als Datensatz zur Verfügung gestellt haben. Sponsoren-Gelder, so Museumsdirektorin Schulze, seien für die Ausstellung nicht geflossen.

 Seit 150 Jahren gibt es spezielle Sportschuhe: Um 1860 führten die Plimsolls in England Schuhe mit einer flachen Kautschuksohle ein. Von 1917 an produzierte die Firma Converse in Massachusetts (USA) Sportschuhe mit Gummisohlen und einem Schaft aus Segeltuch. Der Basketballspieler Chuck Taylor verbesserte das Konzept und brachte 1923 die „Chucks“ auf den Markt. In Herzogenaurach (bei Nürnberg) begannen die Brüder Adolf und Rudolf Dassler in den 20er Jahren Sportschuhe zu produzieren. Nach einem Streit führten sie nach 1945 getrennt die Firmen „Adidas“ und „Puma“ zu Weltruhm.

 Die neuere Entwicklung begann Mitte der 80er Jahre, als die Hip-Hop-Band Run DMC und der Basketballer Michael Jordan die Sneaker-Kultur ins Rollen brachten. 1985 gewann Boris Becker in Wimbledon mit Sneakers von Puma. Besondere Aufmerksamkeit erregte der Sportschuh 1985 auch durch den Grünen-Politiker Joschka Fischer, der sich in Sneakers zum hessischen Umweltminister vereidigen ließ.

  Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Bis 28. August. www.mkg-hamburg.de

(epd)

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