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Poesie und Musik im Einklang

La ville imaginaire Poesie und Musik im Einklang

Das Schauspielhaus verwandelt sich am Sonntagabend zu Recht in einen ganz realen „Platz des frenetischen Beifalls“: Der Kieler Kabarettist und Schauspieler Hans-Christian Hoth hat seinen seit 1985 in die Perfektion verfeinerten Solo-Abend La ville imaginaire tatsächlich noch einmal neu erfunden und künstlerisch überhöht.

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Hans-Christian Hoth mit seinen neuen Bühnenpartnern Julian Arp (Violoncello) und Caspar Frantz (Klavier).

Quelle: Theater Kiel

Kiel. Die wunderbar konzis auf den Punkt gezirkelten 34 Gedichte aus dem Zyklus des 1995 bei Rendsburg verstorbenen österreichischen Dichters Rudolf Stibill glitzern umso gewitzter auf, gerade weil sie jetzt musikalisch bespiegelt werden.

 Gebannt findet der amüsierte Hörer die skizzierten allzumenschlichen Charaktertypen in Melodiegesten und Motiveffekten wieder. Was Stibill durch seine Figur Roman Sürtiker bei einer Wanderung durch eine nur scheinbar virtuell surreale Stadt im Gestern, Heute und garantiert auch morgen scharf beobachtet, findet nun sein Echo in der janusköpfigen Romantik Robert Schumanns, im geheimnisumwitterten Märchenklang Leo Janaceks, ganz besonders trefflich in den kubistischen Klangsplittern Anton Weberns, aber auch im folkloristischen Pulsieren bei Ravel oder de Falla. Das öffnet Räume zum Nachsinnen.

 Hoths mimischer Meistershow entspricht das Weltklasse-Kammermusizieren des Duos Arp / Frantz. Bevor oder während Stibills Ironie elegant auf die Spitze getrieben wird, streichelt Julian Arp federleicht und innig die Töne aus dem Cello, tupft Caspar Frantz dazu in sagenhaft selbstverständlicher Feinabstimmung eine pianistische Dimension hinzu. Nach dem Einstieg mit Bach solo und Stibills Stimme, die uns mit einer kleinen Ankedote auf die Höhe und zum weiten Horizont des Dichtens entführt, beginnt ein poetischer Trip, den man nie wieder vergessen wird – und der nach einer CD-Produktion schreit.

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