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Ein Künstler des Jugendstils in allen Facetten

Hans Christiansen Ein Künstler des Jugendstils in allen Facetten

Der vielseitige Künstler Hans Christiansen (1866-1945) zählt zu den wichtigsten Vertretern des Jugendstils, ein Ausstellungshaus auf dem Flensburger Museumsberg trägt seinen Namen. Mit einer großen Retrospektive ehrt das Museum jetzt den berühmten Sohn der Stadt.

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Goldener Salon in leuchtendes Blau getaucht: Die zierlichen Möbel entwarf Hans Christiansen für einen Raum in der „Villa in Rosen“ auf der Darmstädter Mathildenhöhe.

Quelle: GregorSchusterFotografie

Flensburg. Entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut Mathildenhöhe Darmstadt, dem Museum Villa Stuck in München und dem Bröhan-Museum Berlin, wo die Schau bereits gezeigt wurde, versammelt Hans Christiansen – Die Retrospektive über 300 Objekte von der Jugendstil-Brosche bis zum kompletten Salon, vom Werbeplakat über Modedesign und Geschirr bis zum Gemälde.

 „Wir wollten ein möglichst komplettes Bild des Gesamtkunstwerkers Hans Christiansen entstehen lassen“, so Michael Fuhr. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Museumsdirektor sich ins Zeug gelegt und Repliken anfertigen lassen, wo Leihgaben verweigert wurden, Roben nach Skizzenblättern schneidern lassen und solche Gemälde für ausgestellte Salons ausgewählt, in denen sich Details der Einrichtung wiederfinden. Als Kurator konnte Fuhr gemeinsam mit seiner Flensburger Kollegin Dorothee Bieske und Philipp Gutbrod vom Institut Mathildenhöhe aus dem Vollen schöpfen. Schließlich ist der Museumsberg im Besitz des Künstlernachlasses, den Christianses Witwe Claire dem Haus Ende der Fünfzigerjahre für die bescheidene Summe von 1500 DM verkauft hatte.

 Der chronologisch angelegte Rundgang durch beide Museumshäuser stellt anhand von Arbeiten, Briefen und Fotografien zunächst den jungen Künstler vor, der Anfang der 1880er Jahre bei einem Flensburger Dekorationsmaler in die Lehre ging und sich auf der Suche nach einer neuen Formensprache allmählich vom Historismus verabschiedete. In Hamburg macht Christiansen sich selbstständig, fertigt Plakate und Titelbilder für die Zeitschrift des dortigen Kunstvereins und schon hier deutet sich ein zaghafter künstlerischer Neubeginn an. Zum Erweckungserlebnis wird die Konfrontation mit der modernen Formensprache bei der Weltausstellung 1893 in Chicago, die der junge Künstler als Stipendiat der Hamburger Gewerbekammer besucht.

 „Er sieht Tiffany-Glas, französische Plakatkunst und japanische Farbholzschnitte“, so Dorothee Bieske. „Japanisch wird für ihn zum Synonym für modern.“ Die in den USA gesammelten Eindrücke finden sichtbaren Eingang in die Kunst des damals 27-Jährigen, dem Hamburg nach seiner Rückkehr zu eng wird. In Paris skizziert er das Leben auf der Straße, der stilistische Einfluss von Henri de Toulouse-Lautrec ist in den Arbeiten jener Jahre unverkennbar. Von Paris aus entwirft er ornamental verspielte Titelblätter und Illustrationen für die Münchner Zeitschrift Die Jugend und wird damit buchstäblich zum Erfinder des Jugendstils. Hatte er seine Begabung schon damals auf Bereiche der Gebrauchskunst ausgedehnt, kann er sich ab 1899 in der Künstlerkolonie Darmstadt vollends als Gesamtkunstwerker betätigen. Die Dekoration der Außenfassade sowie die Innenausstattung seiner Villa In Rosen, die in der Schau als Modell präsent ist, wird nach seinen Entwürfen realisiert. Um 1900 ist die Blütezeit seines Schaffens.

 Nach dem Krieg kommt der Jugendstil aus der Mode. Hans Christiansen besinnt sich auf frühere Betätigungsfelder und arbeitet unter anderem als Gebrauchsgrafiker und Modedesigner. Trotz Malverbots, das ihm Jahre später die Nazis wegen seiner Ehe mit der Jüdin Claire Guggenheim auferlegten, bleibt er Maler bis zum Lebensende. Eines seiner letzten Bilder, ein sonnenbeschienener Garten, entstand 1941. Es setzt den Schlusspunkt unter diese umsichtig komponierte, opulente Ausstellung.

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