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Installationen aus aller Welt

Hans-Kock-Stiftung Installationen aus aller Welt

Eine fragile Flotte aus winzigen Stoffbooten treibt auf dünnen Ästen dem Ungewissen entgegen. Die Konnotation der verletzlich wirkenden Installation, die Tina Schwichtenberg in der Hans-Kock-Stiftung aufgebaut hat, ist klar.

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Bekannt für ihre engagierte Kunst: Tina Schwichtenberg zwischen dem Wandobjekt „Patchwork-Familie 2050“ und einer filigranen Installation zur Flüchtlingskrise.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Die Künstlerin ist für ihre engagierte Arbeit bekannt – nicht nur in Kiel und Berlin, wo sie seit 1989 ihr zweites Zuhause hat. Ob Estland, China, Japan, Argentinien oder die USA – die Bildhauerin und Installationskünstlerin hat mit ihren spannenden künstlerischen Positionen schon die halbe Welt bereist.

Die gebürtige Kielerin will nicht „durch Besserwisserei belehren.“ Aber sie bezieht Stellung – unter anderem zu Fragen der Emanzipation, zum Nach-Wende-Deutschland und aktuell zum Flüchtlingsstrom. Irritationen nennt sie ihre Schau, die gleich zwei Spielorte besetzt. So ist eine Auswahl ihrer skurrilen Frauen De Formation in der Scheune vis à vis zu Kocks Großskulpturen platziert – gleich neben einer Installation, die „bekannten und unbekannten Frauen, die wichtige erste Schritte in unbekanntes Terrain getan haben“ einen roten Teppich ausrollt. Mein roter Frauensalon nennt Schwichtenberg den mit zahlreichen Namen von Heide Simonis bis Jutta Limbach bedruckten Teppich, auf dem wie zufällig abgestreifte rote Damenschuhe herumstehen. „Man soll viele meiner Arbeiten mit Humor sehen“, so die 71-Jährige.

Auseinandersetzung mit dem berühmten Merkel-Satz

Im Haupthaus gilt das etwa für die Installation Wir schaffen das. 521 Spielzeugfiguren, mit Schaufeln und Besen bewaffnet und vor Tatendrang strotzend, setzen den berühmten Merkel-Satz in Beziehung zum notwendigen Engagement des Einzelnen. Einen öffentlichen Skandal nehmen Ölbilder aufs Korn, deren Motive unter fratzenartigen Stoffgesichtern versteckt sind – Schwichtenbergs Panama Papers. Und eine durch raffinierte Lamellentechnik zum Vexierbild mutierte Madonnendarstellung nach Hans Memling fragt augenzwinkernd, was wohl gewesen wäre, wenn Maria ein Mädchen geboren hätte. „Ich arbeite oft mit religiösen Themen“, sagt die Künstlerin, „denn Religion kann sowohl bindend als auch trennend sein.“ Mit der Kamera hat sie eine Installation vom Prenzlauer Berg festgehalten, wo sie mit Mehl das Bibelzitat „Macht euch die Erde untertan“ in einen Turmaufgang geschrieben hat – eine flüchtige Arbeit aus dem Bereich der „Mehl-Art“, die auch auf ein vornehmlich von Frauen bearbeitetes Grundnahrungsmittel hinweist.

Fotografien von Installationen, die sie irgendwo auf der Welt realisiert hat, sind ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Schau. Versatzstücke aus den Arbeiten, die sich als reale Fortführung im Raum fortsetzen, machen die temporären Kunstwerke erneut erlebbar. Darunter die Arbeit Repetition, die an mit Tüchern bedeckte Körper erinnert. „Eine Arbeit, die leider zeitlos ist“, so Schwichtenberg. „Denn wir haben bis heute nicht dazu gelernt und erleben eine Wiederholung des immer Gleichen.“

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