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Auf ein Neues 2016!

Hans Scheibner in Kiel Auf ein Neues 2016!

Alle Jahre wieder geht es „Auf ein Neues!“ mit Hans Scheibner in Kiels Theater Die Komödianten. Auch für die beiden Abende der 2016er-Ausgabe des Programms mit dem norddeutsch-kauzigen und lyrisch beschlagenen Altmeister der Satire hieß es: Ausverkauft!

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Alle Jahre wieder geht es „Auf ein Neues!“ mit Hans Scheibner in Kiels Theater Die Komödianten.

Quelle: Kai-Peter Boysen

Kiel. Ganz seinem Humor entsprechend, betritt Hans Scheibner in Schwarz die Bühne. Nur zwei unterschiedliche farbige Socken lassen den Schelm aufblitzen. Aber: „Das soll so sein“, schickt er gleich das Motto des Abends in die Reihen.

Mit Liedern und Texten schaut er zurück auf ein Jahr, das geprägt war vom Zustrom  und dem damit verbundenen Leid der Kriegs- und Armutsgeflüchteten sowie dem Gebaren der deutschen Politikverantwortlichen. Ganz versöhnlich sympathisiert Scheibner zu Beginn im Dreivierteltakt mit dem Merkel-Ausspruch „Wir schaffen das“. Es sei denn, die Flüchtlinge treten angesichts der „13 Schnee- und Räumpflichtverordnungen“, des  „Seilbahngesetzes für Schleswig-Holstein und Niedersachsen“ oder des Gesetzes zur Mindestlänge von Kondomen gleich freiwillig den Rückzug an.

Auch die bayerischen Politiker haben es dem 79-jährigen Hamburger angetan, in giftigen Texten nimmt er Söder, Scheuer und Seehofer aufs Korn, plädiert für Erschießungen von Flüchtlingen durch Gebirgsjäger nach Erreichen der geforderten Obergrenze und lässt seine eigene Vision einer grenzenlosen Welt in einer Abhandlung über den Sinn von Zäunen durchscheinen.

Sauberes Handwerk sind Scheibners gereimte Wunschzettel von Prominenten: „…ich brauch vor allen Dingen, einen Heiligenschein mit olympischen Ringen, mit Engelstrompeten und Fahnengeflatter. Die Unschuld selbst, Dein guter Sepp Blatter“ schickt der ein Gebet gen Himmel. Doch ob er erhört wird, ist fraglich, denn „Gott spielt Schiffe versenken im Mittelmeer“. So sieht Religionskritik bei Hans Scheibner aus, Klartext wie ein satirischer Keulenschlag. Diese unverschlüsselten Sätze, seine Ecken und Kanten sind beim Publikum beliebt, haben ihn im Laufe seiner Karriere aber auch immer wieder in Schwierigkeiten gebracht. Aber das soll wohl so sein, verbiegen ist nicht bei Hans Scheibner, der neben seinen Texten auch Lieder präsentiert. Die wanken allerdings an diesem Abend einige Male, so hat er gelegentlich Mühe, die Textfülle in den Takt zu zwängen und sein Lied über den Igel geht vollends „in die Wicken“, wie es ein Zuschauer in der Pause formuliert. Ob es tatsächlich das „scheppernde“ Playback war oder der Text flöten ging, sei dahingestellt, hier gilt einmal nicht der Titel seines bekanntesten Liedes „Das macht doch  nichts, das merkt doch keiner!“.  Etwas Patina angesetzt haben auch seine Märchentexte, in denen zum Beispiel das Knusperhäuschen zur McDonald`s-Filiale mutiert ist.

Schöner sind da schon sein Gedicht  „Ritter Albig und die starke Königin“, seine Ausführungen zum quasi Outsourcen der Verantwortung für Kriegsverbrechen an Drohnen und Roboter und vor allem sein letztes Lied „Im freien Fall“. Hier schafft Hans Scheibner zu Herzen gehende Intimität, blickt er zurück auf sein Leben und, offenbart, dass er Sinn und Zweck seines Lebens noch nicht erkannt hat, aber jeden Augenblick bis zum Aufprall als Genuss empfindet. Und das soll so sein!

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