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Hart am Original: Sisters Of Kyuss & Motörizer

Kieler Schaubude Hart am Original: Sisters Of Kyuss & Motörizer

Zwei wegweisende Rockbands waren am Freitag Vorlage für einen schweißtreibenden Abend in der vollen Schaubude. Sisters Of Kyuss huldigten in beeindruckender Weise den kalifornischen Stoner-Rock-Begründern Kyuss, während Motörizer der britischen Legende Motörhead um Kult-Lemmy eine authentische Rock`n-Roll-Reminiszenz erwiesen.

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Gitarrist Uwe von Sisters of Kyuss, links Drummer Flash, rechts Sänger Buschy

Quelle: Kai-Peter Boysen

Kiel. Es ist warm, sehr warm in der Schaubude, der Schweiß läuft bereits, als Sisters Of Kyuss den kalifornischen Wüstensand aus den Boxen blasen. Sie covern Songs von Kyuss, die ursprünglich als Sons Of Kyuss ihre Karriere starteten und vom kalifornischen Palm Desert aus Anfang der Neunziger der Rockwelt einen neuen psychedelischen, drückenden Sound mit Riffs aus tiefgestimmten Gitarren um die Ohren haute. Ihr norddeutsches Pendant Sisters Of Kyuss besteht mit Sänger Buschy und Gitarrist Uwe zur Hälfte aus Ex-Gutbucket-Mitgliedern, und auch die Rhythmussektion aus Bassist Sven sowie Drummer Flash spielt schon lange zusammen.

Wie das Quartett  das Material vom Schlage „One Inch Man“ oder „Demon Cleaner“ verwertet, ist absolut beeindruckend, angefangen von der Stimmlage Buschys, die John Garcia vergessen macht, über Uwes Gitarrenspiel, das dem Zähmen eines Soundmonsters gleicht, bis zum rollenden Grooveteppich, den Bass und Schlagzeug darunter legen. „Gardenia“ vom wohl bekanntesten Album „Welcome To Sky Valley“ überrollt die mitwippende, schwitzende Menge, Sänger Buschy reckt die Faust gen Decke, drückt die Worte ins Mikro oder steht grinsend mit geschlossenen Augen da und genießt die Pause im Auge des Sturmes.

Kyuss leben weiter im Instrumental „The Ol Boozerony“ oder in der einstimmig geforderten Zugabe „Green Machine“, ein Nackenmuskeltrainer erster Güte.

Kurz den Staub aus den Hosen schlagen, draußen zweimal kräftig durchatmen, dann heißt es: „We are Motörizer, and we play Rock`n Roll!“ Nicht nur bei der Begrüßung, sondern während des gesamten Gigs zieht Bassist und Sänger Martin Simon sein heiser nuschelndes Lemmy-Ding durch, Rickenbacker-Bass und den Marshall Signature-Amp inbegriffen. Mit Gitarrist Peter Blackhead und Drummer Plug Larsson bildet er auch seit zehn Jahren die Band Corporate ID, man ist also bestens eingespielt.

Schwerpunkt sind alte Motörhead-Songs, fast das gesamte Live-Album „No Sleep Til Hammersmith“ von 1981 findet sich im Set wieder, Motörizer variieren das Tempo, stellen Midtempo-Kracher wie „Stay Clean“ oder „Iron Horse“ neben frontale Attacken wie „Motörhead“ ,„No Class“ („For all the girls, that don`t like us“) oder den Off-Beat-Abräumer „(We Are The) Road Crew“. Motörizer vermitteln authentisches Motörhead-Feeling, mit dem griffigen „Lost Woman Blues“ wird das letzte Album „Aftershock“ zitiert, das feuchte Bündnis zwischen Haut und Kleidung wird mit den markanten Double-Bass-Schlägen des Klassikers „Overkill“ final besiegelt. Illusion gelungen.

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