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Hart und hymnisch zugleich

Phillip Boa & The Voodooclub in der Pumpe Hart und hymnisch zugleich

„Kill The Future“ ist nicht nur auf Phillip Boas neuem Album „Bleach House“, sondern auch beim Konzert in der Pumpe der Opener. Was man programmatisch verstehen darf, wenn der „Pop-Partisan“ mit deutlichem Bezug auf seine „wavende“ Vergangenheit vorausschaut auf eine nunmehr hard-rockendere Zukunft, welches neues Kind seiner Kunst er freilich genüsslich mit dem Bade gleich wieder ausgießt.

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„Kill The Future“ ist nicht nur auf Phillip Boas neuem Album „Bleach House“, sondern auch beim Konzert in der Pumpe der Opener.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Dass seine über die Stirn fallende Tolle auch zum Headbangen taugt, wusste Boa schon 1989, als er sich über „Albert Is A Headbanger“ durchaus selbstironisch lustig machte. Nach gut einer Stunde bisher nicht Boa-typischen Anheizens des Hardrock-Grills fackelt diese olle Nummer als erste Zugabe freilich so vom Publikum flambiert ab, dass man fast vergisst, dass Boa und sein um die neue Sängerin Pris (mehr als Ersatz für die Ex-Muse Pia Lund) aufgestockter Voodoo-Club auch immer wieder gehörig auf die romantische Tube drückten. Hart und hymnisch, Rock und Romantik sind kein Widerspruch – das wollte uns Boa schon immer zeigen und weißt auch so aus der anvancierten Vergangenheit direkt in die Zukunft der Voodoo-Avantgarde.

Doch bevor wir wie Boa den Gaul dessen von hinten aufzäumen, was Rock’n’Roll mal sein könnte, wenn man Downbeat-Hymnen wie „Chronicles Of The Heartbroken“ in Gitarren-Galopp bringt, reiten wir mit ihm nochmal zurück in die alten Song-Sonnenuntergänge von „Boaphenia“. Nicht von Ungefähr zitiert sich der Voodoo-Zauberer gern selbst in so Synthie-Soundendem wie dem fröhlichen Kracher „Get Terminated“. In der Pumpe kann solchen No-Future-Refrain jeder mitskandieren, genauso das legendäre „Love On Sale“. Das ist das „Life After Being A Zombie“. So in seiner untoten Zukunft wiederauferstanden, verbeugt sich Boa vor jedem seiner alten Songs artig. Und gesteht: „Ich hab’ kein Problem mit euren Song-Wünschen, kann sie nur nicht immer erfüllen.“ „Hoch interessant“ sei es jedoch, was da gefordert werde – nämlich das, was schon früher eher hart als hymnisch war: Etwa das wirbelwindige „Speed“.

Als traute Boa dennoch dem Hardrock nicht, der auf „Bleach House“ als die logische Folge von ehemals Punk und Wave erscheint, schaltet er mit „Are You The One From Heaven“ nochmal einen Gang zurück auf romantische Hymne – „damit das hier nicht zu sehr ausartet!“ Killt man so die Zukunft aus der Vergangenheit heraus, oder umgekehrt? Oder sollte man statt der Wave-Hymnen, die ohnehin alle von Früher her mitsingen können, doch lieber die Gitarren und die munter geprügelten Drums metallisch ausbrechen lassen?

Gerade das zuweilen unschlüssige Changieren zwischen beiden Seiten der ganz offensichtlich selben Medaille macht das neue Album wie auch das Konzert zu einem Erweckungserlebnis. Dass Phillip Boa und sein neu getunter Voodooclub noch nicht zu wissen scheinen, in welche Zukunft der Weg aus der Vergangenheit führt, macht ihre Musik wegweisend. „When The Wall Of Voodoo Breaks“ kommt da als dritte, begeistert mitgetanzte Zugabe gerade recht – als Zertrümmerung des Alten, das ins Neue weißt, hart und hymnisch zugleich.

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