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Fantastisch gefährliches Gebläse

Bordesholm Fantastisch gefährliches Gebläse

Breit grinsend begrüßte Wade Schumann das Publikum im Savoy-Kino mit einer knackig-kurzen Frage und auf Deutsch. „Na, alles gut?“, sagt der New Yorker Mundharmonika-Virtuose, und darauf schienen sogar die Tischlämpchen in dem 50er-Jahre-Filmpalast zustimmend erwartungsvoll zu vibrieren.

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Hazmat Modine lieferten Blasmusik vom Feinsten.

Quelle: Björn Schaller

Bordesholm. Nicht vergebens: Hazmat Modine tischte zweieinhalb Stunden ein musikalisches Festmahl voll gut gewürzter Köstlichkeiten auf.

Mit einem gut zehnminütigen Eröffnungsgroove schürten die acht Musiker den Appetit der rund 200 Zuhörer im ausverkauften Kino. Und schon die ersten, jazzig angehauchten Soli inklusive der perlenden, beeindruckend tiefen Tontropfen aus dem Sousaphon von Joseph Daley bliesen ein Lächeln bis in die Gehörgänge – und machten zugleich deutlich, dass die vor 17 Jahren gegründete Formation eine Live-Band ist, die das musikalische Abenteuer sucht und mit Wonne Genregrenzen überschreitet. Gellende Latin-Phrasen der Trompeterin Pamela Fleming rollten gegen Streicherkaskaden voller Wahwah-Effekte aus der Geige von Mazz Swift, die Gitarristen Erik Della Penna und Michael Gomez knarzten, sägten und pickten lässig im Blues- und Soulmilieu.

Die vom neuen Drummer Tim Keiper cool und dezent zusammengehaltene Combo groovte fast als eine organische Wesenheit durch Balkan Beats, dockte an orchestralen Swing an, nippte am Mississippi-Blues, ritt auf Reggae- und Calypso-Wellen. Die Stücke des neuen, erst dritten Albums Extra-Deluxe-Supreme fügten sich nahtlos in den vielgestaltigen Hazmat Modine-Sound, der 2006 mit dem Hit Bahamut und dem Wim Wenders-Film Pina bekannt wurde. Das wieder von Bandgründer Wade Schumann geschriebene Material der neuen Scheibe räumt dabei zusätzlich wie bei Another Day und Your Sister Platz für mehrstimmigen Gesang ein. Besonders die wehmütig-gedehnte Stimme von Geigerin Mazz Swift rührte das Herz, den derben Kontrapunkt setzte Schumann: Expressiv und voller Inbrunst ächzte und schnaubte der Musiker ins Mikro – abwechselnd mit Stimme und seinen diatonischen Mundharmonikas.

Dabei suchte der 53-jährige Wuschelkopf immer wieder den Kontakt zum Publikum, forderte auch mal mehr Licht im Saal: „Das ist mir zur dunkel hier, ich will die Leute sehen.“ Möglicherweise beflügelt vom Käsekuchen, den die ehrenamtlichen Organisatoren vom Kinoverein am Nachmittag serviert hatten, reihte sich Schumann kurzerhand in den Pulk tanzender Zuschauerinnen ein. Zum Schluss gab das „gefährliche Gebläse“, wie die Band ihren Namen Hazmat Modine sinngemäß übersetzt, mit Bahamut den vielumjubelten Ausstand. „Alles gut?“, fragte Schumann nochmals. Alles super. Mindestens.

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