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Dunkle Klammer

Heinrich-Schütz-Kantorei in St. Ansgar: Dunkle Klammer

Das Kieler Reger-Jahr bringt Erkenntnisgewinne vieler Art mit sich. Zum Beispiel erfährt man in seinem Verlauf auch, wie sich die Werke des Jubilars zu denen anderer Komponisten verhalten, wenn sie in Kombination erklingen.

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Die Heinrich-Schütz-Kantorei unter Leitung von Andreas Koller.

Quelle: Kirchengemeinde Heiligengeist

Kiel. Zusammen mit dem Reger-Orchester der Stadt schlugen Andreas Koller und seine Heinrich-Schütz-Kantorei am Wochenende den Bogen von Reger zu Mozart, indem sie die Totenmessen der beiden Komponisten miteinander verknüpften.

 Klangfarblich steht das Requiem op. 144b des Spätergeborenen dabei in maximalem Kontrast zu dem unvollendeten Vorgänger des Salzburgers, in der dicht besetzten Ansgarkirche am Sonntag in der Fassung von Franz Bayer zu hören ist. Schwül und bedrückend eröffnet hier zunächst Regers 1915 komponierte Vertonung eines Gedichts Friedrich Hebbels den Abend. Anne-Beke Sontag trifft dabei mit samtig-schwerem Alt sehr gut den Ton sedierter Dramatik, den der Komponist der Solistin zuschreibt. Der Chor taucht dazu effektvoll aus dem Nichts auf und arbeitet in Zeitlupe auf teilweise grelle musikalische Ausbrüche hin. So wie Kantorei und Orchester die sachteren Momente des Kleinods in schöner Harmonie durchdringen, fliegen dem Hörer im großen Forte-Rausch dabei auf allen Ebenen die Fetzen um die Ohren.

 Vor dem Hintergrund dieser enormen emotionalen Ladung wirkt Mozarts anschließendes Requiem KV 626 regelrecht befreiend, zumal Koller bei der Interpretation des Werks auch dessen opernhafte Aspekte auf stimmige Weise unterstreicht. Insgesamt gelingt es dem Kantor, eine überzeugend umfassende Sicht auf die Komposition zu entwickeln. Musikalische Pracht, Farbreichtum, Originalklang und ein ansteckender Flow: Dies alles sind Faktoren, die den Verlauf der Musik auf schöne Weise bestimmen, ohne dass einer von ihnen besonders in den Vordergrund drängen würde. Ähnlich ausgeglichen zeigt sich das Solistenquartett, in dem sich Anne-Beke Sontags gentil tönender Alt ebenso stimmig mit Birgit Glatz’ klar leuchtendem Sopran mischt wie Jörn Lindemanns kraftvoll natürlich wirkender Tenor mit Tomohiro Takadas von großer Bühne zeugender Bass. Die Heinrich-Schütz-Kantorei präsentiert bei alledem einen sehr balancierten Einsatz und beeindruckt namentlich im Rex tremendae oder auch im Lacrimosa durch feingliedrige gesangliche Abstufungen.

 Indem Chor und Orchester darauf noch Max Regers niedergedrückte Eichendorff-Gedichtvertonung Der Einsiedler op. 144a folgen lassen, schließt sich die dunkle Klammer, die das Hauptwerk des Abends umgibt. Tomohiro Takada glückt der sängerische Stimmungswechsel dabei einwandfrei, so dass dieser Ausklang einen weiteren Höhepunkt bildet.

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