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Blomstedts lebensbejahende Vitalität

SHMF Blomstedts lebensbejahende Vitalität

Der Komponist Anton Bruckner hatte drei Lieblingswerke: Beethovens Eroica, Wagners Götterdämmerung und nicht zuletzt Mozarts Requiem, das er als größtes Kunstwerk aller Zeiten ansah. Deshalb passt es auch, seine Fünfte Symphonie in einem Gotteshaus wie der Rendsburger Christkirche aufzuführen.

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Auch mit 90 Jahren ungebrochen vital beim Durchdringen und Dirigieren von Bruckners extrem komplex komponierten Fünften Symphonie: Herbert Blomstedt (hier im Lübecker Dom).

Quelle: Axel Nickolaus

Rendsburg. Bruckner gewann tatsächlich das alle vier Sätze prägende Themenmaterial und manche kontrapunktische Linienführung aus der Introitus-Einleitung des unvollendeten Meisterwerks Mozarts. Die extrem kunstvoll gestrickte katholische 85-Minuten-Hommage scheint gerade bei einem bekennenden protestantischen Freikirchler wie Herbert Blomstedt in besonderen Händen. Denn die gerade 90 Jahre jung gewordene schwedische Dirigentengröße mystifiziert und verdüstert den Bezug zur Totenmesse nicht, sondern wendet ihn vielmehr ins Positive. Lebensbejahend vital klingt hier die Symphonie.

Blomstedt zählt trotz bedächtigen Beginns zu den rascheren Interpreten. Immer wieder animiert er zu flüssiger Bewegung und Interaktion im sinfonischen Gefüge. Nur der dritte Satz, das Scherzo, entgleitet ihm ein wenig zu hektisch. Ansonsten herrscht ein erstaunlich jugendlich frisches, in Wellen immer neue spirituelle Choralstrahlkraft schöpfendes Gesamtbild. Man spürt den Spaß, den die gut aufgelegten NDR Elbphilharmoniker mit ihrem ehemaligen Chefdirigenten dabei haben. Alle, ganz besonders aber der Jubilar, ernten Ovationen.

Von Christian Strehk

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