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Durchgekämpft zum Publikum

Herbert Grönemeyer in Hamburg Durchgekämpft zum Publikum

Herbert Grönemeyer macht auf der „Dauernd jetzt“-Tour erste Station im Norden – und packt die Zuhörer in der Hamburger o2 World mit neuen Songs in altbekannter Manier und alten Hits in neuem Gewand.

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Der Könner am Mikro in der Hamburger Event-Halle: Herbert Grönemeyer auf dem Steg durch die Menge.

Quelle: Janis Wieczorek

Hamburg. Ein Kämpfer bleibt Herbert Grönemeyer immer: Als er zum Kumpel-Song "Unter Tage" auf die Bühne schreitet, leuchten seine Bandmitglieder mit Stirnlampen in die dunkle o2 World Hamburg. Der Berg, den der Sohn des Ruhrpotts abbauen muss, ist kolossal. Fünf Titel des neuen Albums "Dauernd jetzt " will er rund 15.000 zum Start am späten Sonnabend unterbreiten, die fast nur auf seine Klassiker warten. Doch Grönemeyer haut sich rein, singt und tanzt die Skeptiker an, die hinter den Hardcore-Fans lauern, nutzt Bühne und Steg aus. Als er bestens aufgedreht mit Lied sechs sein "Bochum" preist, ist der Berg gebrochen.

Das schafft die Deutschrock-Ikone nur, weil sie klar macht: Es sind doch nur Lieder, die wir drei Stunden zusammen feiern – keine Wahrheiten. Grönemeyer kündigt in "Wunderbare Leere" an: „Jetzt kommt die beste Zeile“ und singt: „Die Brücke ist breiter als der Fluss.“ Nach dem Song feixt er über seine tiefsinnigen Gedanken. Ja, wer so mit seinem Werk umgeht, dem verzeiht der Zuhörer, dass auch Grönemeyer mal sein Mikro im Rennen um die schlechtesten Textkenntnisse in den Ring wirft.

Es tobt das Rund, als der Altmeister das einzig Richtige macht und die Altherren-Fetenhits im "Männer-Was soll das-Vollmond"-Medley verarbeitet. In den Anmoderationen scheint durch, wie wohl er sich fühlt. Wachen Blickes entgeht ihm nicht, dass im Innenraum vor "Der Weg" jemand Hilfe benötigt – er erkundigt sich nach dem Wohlbefinden.

So sichert Grönemeyer, dass nicht nur Fans zuhören, als er mit "Roter Mond" auf Flüchtlingsströme aus Afrika aufmerksam macht, unterstützt vom Bühnenbild sechs schwebender LED-Quader, die einen schwimmenden Elefanten in Zeitlupe zeigen. Auch "Feuerlicht" fragt, wie wir Zugewanderte aufnehmen, es erinnert frappierend an "Maß aller Dinge" vom 1986er Album "Sprünge", das rassistische Diskriminierung anprangert. Selbst den Blick zurück schärft Grönemeyer immer neu: Den "Fisch im Netz" holt er live wieder heraus, "Flugzeuge im Bauch" wird zum Missfallen einiger in eine selbstironisch anmutende Kontrabassnummer umgebaut. In drei Zugaben bringt Grönemeyer auch wieder aktuelle Stücke – schließt ab mit dem gewöhnungsbedürftigen Technoremix "Hoopieshnoopie" von "Fang mich an".

Zum Ende des Abends kann der Star mit dem Publikum alles machen. Seine ehrliche Herzlichkeit, die von der Bühne ausstrahlt, animiert die gesamte Halle zum Mitfeiern. Als Grönemeyer beim ersten Abgang stolpert, fast die Treppe heruntersegelt, macht sich niemand lange Sorgen. Grönemeyer ist ein Kämpfer. Er kommt immer wieder.

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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