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Jazz-Trio Triologue im Statt-Café experimentierfreudig

Hexentanz und „Hitmelodie“ Jazz-Trio Triologue im Statt-Café experimentierfreudig

Eine gute Gewohnheit, dass das Lübecker Trio Triologue zu Beginn des Jahres dem Statt-Café einen Besuch abstattet. So erzählt Bassist Johannes Huth treuen Zuhörern nichts Neues, wenn er gesteht: „Wie Sie schon gehört haben, sind wir ja eher experimentell.“

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Verzückten Jazz-Freunde mit Experimentalmusik: Ninon Gloger am Klavier, Schlagzeuger Olaf Koep und Bassist Johannes Huth als Triologue.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Wer ihn, die Tastenfrau Ninon Gloger sowie Drummer und Sample-Spezi Olaf Koep, die seit zehn Jahren nicht nur im Norden als Perlen der avantgardistischen jungen Jazz-Szene gelten, noch nicht kennt, weiß es seit dem ersten Stück.

„A Strawberry Tree Bees“ titelt jenes recht enigmatisch, ist ganz neu und lässt zunächst Alltagsgeräusche aus dem Sampler summen. Aus solchem Klangschwarm nach Art der musique concrète schält sich eine fast poppige Melodie, als destillierte das Trio sie aus der Ambient-Soundscape – und der Erkenntnis, dass Musik aus der (An-) Ordnung des Geräuschs entsteht. Ein neumusikalischer Gedanke, der jedoch wie im „Wedding Waltz“ ganz ohne Avantgarde-Verspannung ungemein locker, geradezu tanzbar eingelöst wird. Dass im „Barock Modul“ Bachs trotz aller Formenstrenge wohltemperierte Klavierleichtigkeit jazzigste Urständ’ feiert, in der „Rondoballade“ das „Dies irae“-Motiv aus Berlioz’ „Symphonie fantastique“ hexentanzt und die (Folk-) Melodie des schwedischen Grieg-Zeitgenossen Wilhelm Peterson-Berger im Ratespiel niemand erkennt – geschenkt.

Ein echtes, wildes Geschenk

Mehr noch, ein Geschenk! Denn Triologue collagieren nicht einfach postmodern, sondern schmelztiegeln Alte und Neue Musik, Jazz, Electro-Pop, Hardrock, World Music, wie es sich nicht erst seit Fusion für Jazz gehört. Nicht Kompilation, sondern Transformation ist das Prinzip der zumeist Eigenkompositionen von Triologue. Olaf Koep hat alle komponiert, bis auf die eingängige „Hitmelodie“. Sie stammt aus Ninon Glogers gelenkiger Feder und feingliedrigen Fingern, „heißt erstmal nur so, Arbeitstitel“, der aber sehr treffend ist.
 
„Ja, wir können auch schön“, bestätigt Huth. Als hätten wir es nicht schon längst gehört in „Liebesleid und Lust“, wo eine Stimme spricht: „Wir lieben das wild lebende Pferd – und fangen es!“ Triologue aber folgen seinen freien und ungestümen Galoppen und Sprüngen.

Mehr zu Triologue

Infos und Hörproben: www.triologue.de

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Ein Artikel von
Jörg Meyer

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