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Wie Max Reger sich in Kiel zeigte

Historisches Konzert Wie Max Reger sich in Kiel zeigte

Nach einer Wanderausstellung zum Gedenken des 100. Todestages des Spätromantikers Max Reger, rekonstruieren die Studenten der Musikwissenschaft an der CAU Kiel nun auch das „Historische Konzert“ von 1909 im Wriedt’schen Etablissement am Sophienblatt.

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Das Wriedt’sche Etablissement am Sophienblatt 50 mit seinen rund 1500 Plätzen war für Max Reger der Konzertsaal in Kiel – und für die Stadt damals eine postkartenreife Vorzeigeadresse.

Quelle: Archiv

Kiel. Was für eine bemerkenswert eigenwillige Programm-Zusammenstellung: Als der große Spätromantiker Max Reger im Jahr 1909 Kiel besuchte, um im Wriedt’schen Etablissement am Sophienblatt Nr. 50 als Pianist und Komponist ein Konzert zu geben, schwebte ihm offenbar ein besonders weites Spektrum seines Schaffens zur Präsentation vor.

Der Verlauf biete vom geistlichen, schlichten Choral über verschiedene kammermusikalische Besetzungen, in Kunstliedern und dem leichtgewichtigen, sogar launig-anzüglichen Volkslied für Chor a cappella bis hin zu den bohrenden Beethoven-Variationen als fulminantem Bravourstück ein ungewöhnlich weites Panorama aus Eingängigem und komplex Kunstvollem. Schon die Zeitgenossen Regers, das bezeugen Rezensionen aus den Kieler Neuesten Nachrichten von damals, reagierten frappiert: „Wenn je ein Musiker einen harten Kampf um Anerkennung geführt hat, so ist es Reger.“ Kieler Bürger konnten den oberpfälzischen Komponisten mit seinem „kontrapunktischen Können, der Kühnheit seiner Modulation und der Kraft des Ausdrucks“ zwischen 1908 und 1916 insgesamt fünf Mal live an der Förde erleben – immer in Wriedt’s Etablissement, dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Konzertsaal, der im Parkett und auf den Rang-Balkonen stolze 1500 Plätze bot.

Für die rekonstruierende Beschwörung des zweiten Besuches unter Federführung der Professorin Kathrin Kirsch gilt es, besonders viele musikalische Kräfte der Stadt mit den wahrscheinlich deutschlandweit größten Reger-Gedenkaktivitäten zu aktivieren: Die Mezzosopranistin Anne-Beke Sontag, die Streicher Swaantje Kaiser, Nora Piske-Förster, Marie Yamanaka, die Pianisten Vera-Carina Stellmacher und Manfred Fock, Kirchenmusikdirektor Volkmar Zehner an der Orgel sowie das Vocalensemble der CAU unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer haben sich für Freitagabend ab 20 Uhr in der Ansgarkirche vorbereitet.

Aus diesem Anlass hat das Musikwissenschaftliche Institut zudem vorab um 16.30 Uhr die renommierte Leiterin des Max-Reger-Instituts (Karlsruhe) und Autorin der aktuellen Reger-Biographie "Werk statt Leben" (Breitkopf & Härtel, 542 Seiten, 39,30 Euro) Susanne Popp zu einem Gastvortrag in den Bach-Saal der Universität eingeladen. Unter dem Titel „‘Entgrenzung‘. Gedanken zum Reger-Jubiläum 2016“ blickt sie auf 100 Jahre Reger-Rezeption nach dessen Tod im Mai 1916 und bietet zugleich eine Einführung in das anschließende Konzert.

Die Tatsache, dass für Regers Beethoven-Variationen gleich zwei Steinway-Instrumente in der Ansgarkirche benötigt werden, nutzen die Musikfreunde Kiel am anschließenden Sonnabend um 16 Uhr zu einem vierhändigen Klaviermusik-Event mit gleich drei Kieler Schüler-Lehrer-Generationen an zwei Flügeln: Ina Peeken und Manfred Fock, Lea Kollath und Vera-Carina Stellmacher, Linnéa Benson und Elias Kollath spielen Werke von Liszt, Schubert, Ravel, Milhaud und – na klar – Max Reger.

Reger-Vortrag, 10. Juni, 16.30 Uhr, Bach-Saal (Rudolf-Höber-Str. 3, Eintritt frei), Historisches Reger-Konzert dann um 20 Uhr, Ansgarkirche (Holtenauer/Waitzstraße). Karten: 0431 / 149 01 24. www.reger-kiel2016.de

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