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„Hunde sind Ordnungstypen“

Theater im Werftpark „Hunde sind Ordnungstypen“

Das Hunde-Musical Edgar feiert am Sonntag im Theater im Werftpark Premiere. Theatermacherin Gertrud Pigor wollte damit auf die problembeladene Beziehung zwischen Briefträger und Hund eingehen, denn "mit Tieren kann man Charakterzüge einfach besser zuspitzen".

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Im Vorgarten: Gertrud Pigor (Mitte) probt mit ihren Akteuren Julius Ohlemann, Johanna Kröner und Dirk Stierand (v. l.).

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Briefträger und Hunde – das ist so eine Sache. Auf Youtube begegnen sie einem in ihrer Ambivalenz von Komik und Drama gleich mehrfach – „und das war quasi die Grundidee für das Stück“, sagt Gertrud Pigor und sprudelt los: Über Filme, in denen sich die Protagonisten mit der Anzahl ihrer im Dienst erworbenen Narben überbieten. Oder über Schulungen, in denen Postboten lernen, wie der Hund zu ködern sei. Die Theatermacherin brachte das auf die Idee, die problembeladene Beziehung aus der Sicht des Hundes anzugehen. So entstand das Hunde-Musical Edgar, das am Sonntag im Theater im Werftpark Premiere hat.

„Mit Tieren kann man Charakterzüge einfach besser zuspitzen“, sagt sie, „ich kann da ins Extrem gehen. Außerdem sind Hunde Ordnungstypen. Und so eine gewisse Spießigkeit und Enge, die lässt sich doch an ihnen viel komischer darstellen als an Menschen.“ Dazu kommt, „dass man bei den Hunden im Spiel so körperlich werden kann“. Weshalb daraus eine kleine Choreografie (Helen Rosenthal) geworden ist. Und Kinder kann man ihrer Einschätzung nach über Tiere sowieso ohne Umwege ködern. In ihren Stücken von Nickel, der mit dem Fuchs tanzt über Anton, das Mäusemusical bis Ein Schaf fürs Leben, das in der Inszenierung von Anne Spaeter gerade Premiere feierte, hat sie schon einen halben Zoo versammelt: „Muss ich noch sagen, dass wir Tierarzt-Kinder sind …“

 Gleich vier hündische Exemplare machen „Christoph von der Post“ nun in Edgar das Leben schwer – allesamt ausgemacht eigensinnige Persönlichkeiten. „Da haben wir lange überlegt“, erzählt Pigor, die das Stück mit ihrem Bruder, dem Musiker und Kabarettisten Thomas Pigor, geschrieben hat. „Die Boxerhündin war schnell klar. Aber zu Anfang hatten wir auch Spaniel und Dalmatiner dabei. Und der Pudel war tatsächlich ein Pudel bevor er …“ Aber das sollen die Zuschauer am Sonntag selbst entdecken. Ein Rüde mit Stammbaum und der verspielte Welpe, der dem Stück den Titel gibt, sind außerdem dabei.

 „Edgar wird von den Alteingesessenen erstmal eingenordet, Revierverteidigung und so“, sagt sie, „aber der übertreibt das mit der Pflichterfüllung auch gleich. Das ist dann erst mal gar nicht komisch, sondern richtig dramatisch.“ Da geht es um Gruppendruck, um kleine Welten und um den Traum, anders zu sein.

 „Wir haben einfach einen ähnlichen Humor“, erzählt die Regisseurin über die Zusammenarbeit, „das macht es einfach.“ Zwischen Hamburg, wo Gertrud lebt, und Berlin, wo Thomas Pigor seinen Wohnsitz hat, sind so etliche Stücke entstanden, die sich durch treffenden Wortwitz und rasante Zuspitzungen auszeichnen. Thomas Pigor hat auch die Songtexte für das neue Stück geschrieben und mit Jan Fritsch die Musik gemacht – eher rockig und auf einer stilistischen Bandbreite von Elvis bis Prince. „Zu Hundechören“, ergänzt Gertrud Pigor, „fällt Musikern ja immer etwas ein.“

 Ausstatterin Sibylle Meier hat dazu eine Art Vorstadtsiedlung im Hundehütten-Format erdacht, an der es jede Menge zu entdecken gibt. „Das war echtes Getüftel“, sagt sie. Auch mit Sibylle Meier hat Gertrud Pigor, seit 1998 feste Größe am Theater im Werftpark, immer wieder und meistens in Kiel gearbeitet. Sie mag die Überschaubarkeit, die bekannten Abläufe und klingt fast schon wehmütig: „Am Werftpark-Theater hatte ich sehr oft die Möglichkeit, eine Uraufführung zu machen, die dann von Kiel aus in die Welt gegangen ist. Das war schon toll für mich.“

 Premiere im Theater im Werftpark am kommenden Sonntag, 22. November, 16 Uhr. Kartentel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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