21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
I-Fire heizten ganz entspannt ein

Abschlusskonzert in der Pumpe I-Fire heizten ganz entspannt ein

Fast ist die Kieler Woche schon wieder vorbei, Zeit also, kräftig nachzuglühen, beziehungsweise das Abschlussfeuerwerk im gut gefüllten Saal der Pumpe in der Nacht mit I-Fire auf den Sonntag musikalisch schon mal vorwegzunehmen.

Voriger Artikel
Ganz nah an der Seele der Songs
Nächster Artikel
Landestheater: Ein Appell der Ministerin

I-Fire sorgten für Reggae-Stimmung in der Pumpe.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Die Hamburger Reggae-Combo I-Fire, seit zehn Jahren mit ihrem markanten Mix aus deutschsprachigem Hip-Hop und zündendem Reggae aus Jamaika landauf-landab die Dancehalls befeuernd, hält dafür die geeignete Fackel bereit: ihr jüngstes Album „Salut!“. Schon in dessen Titelsong, den die drei MCs Rawbird, Free und Dub-Ill-You und ihre sechs-köpfige Band sinnigerweise an den Anfang ihres Mitternacht-Gigs stellen, springt der berühmte Funke über und setzt den Dancefloor in Brand. „Wir hoffen, ihr habt nach einer Woche Party ein bisschen Kraft übrig gelassen, um mit uns noch einmal Vollgas zu geben“, begrüßen die MCs das Tanzvolk.

Vollgas bedeutet jedoch nicht, dass man etwa mit dem Bleifuß auf dem Beat-Pedal stünde. Nein, Reggae, das ist ganz in Jamaika-Tradition kein Abfackeln, sondern entspanntes Anfeurn eines gut vorgetoasteten Glutbetts. Neben Bass, Keyboard, Drums und Gitarre besorgen dies besonders die Blechbläser (Posaune und Trompete), die zwar manche knallige Ska-Spitzen auf den Sound setzen, sich aber sonst auf warme Grundierung verstehen. Genauso wie es im Song „Mein Ding“ locker klingelt: „Mir schmecken die Silben, ich mach’ mein Ding, Ding, Ding!“ Laue Aufregung ist nicht das Ding von I-Fire, vielmehr der sanfte Flow der Riddims im steten Herzschlag-Beat.
 
So lassen sich auch Aufreger wie die ständigen Staus auf der „A7“ im gleichnamigen Song auf „unsere gemeinsame Hassliebe“ zu solcher „Nord-Süd-Achse“ relaxt auf die Straße bringen. Und in der Tat und a propos verbindet sich nicht nur hier norddeutsche Coolness mit jener der Karibik: Sich Zeit lassen und genießen wie in „Mehr Zeit“, wo der Reggae bewusst beinahe schon etwas schleppend wirkt. Solche Entschleunigung kommt gut an, gerade im Kieler-Woche-Trubel, aus dem sich nun immer mehr Party-Völkchen in die Pumpe flüchtet. Auf der Tanzfläche mehr ein Wogen statt ein Tosen, Fackel statt Feuerwerk. „Fehlt eigentlich nur noch, sich einen zu bauen“, so ein wie MC Rawbird rasta-gelockter Reggae-Jünger scherzhaft. Doch Drogen braucht’s nicht wirklich, Reggae, wie ihn I-Fire zelebrieren, ist selbst schon eine.
 
Gewürzt mit Rap-Texten, die auch schon mal gesellschaftskritisch daherkommen – über den allgemeinen Wahn immer höherer Geschwindigkeit, Konsumterror und die Allmacht der „Kohle“, namentlich des Geldes, gegen die man am besten reggae-entspannt aufsteht. Der Refrain „Sometimes it’s better if you take it easy“ wird nicht von ungefähr begeistert im Publikum geechot, denn das ist die universelle Botschaft des Reggae und der I-Fires. Wenn es dann am Ende in der Zugabe heißt „Wir sind high“, so ist das nicht bloß eine Worthülse, sondern Programm. High von der Fackel des Reggae, die I-Fire an ihre mexikanischen Kollegen, die Sonidos Satanás, weiterreichen, die sie mit ihrem tanzbaren Gebräu aus Cumbia und Mashup-Dubs bis tief in die Nacht in Glut halten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3