20 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Der Preis der Wahrheit

Ibsens „Die Wildente“ Der Preis der Wahrheit

"Die Wildente" von Henrik Ibsen zählt zu den großen analytischen Dramen des Norwegers.Psychologisch einfühlsam konstruiert, entwickelt sich die Handlung in brillant aufgebauten Dialogen, in denen die Figuren ihr Innerstes nach außen kehren. Am Freitag hat das Drama Premiere am Kieler Schauspiel.

Voriger Artikel
Der Stein als Berufung
Nächster Artikel
Abendlich strahlt der Sonne Auge

Zwischen Hell und Dunkel haben Regisseurin Katrin Lindner und Ausstatter Alexander Wolf Ibsens Drama verortet.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Als Kinder waren sie beste Freunde, danach hatten sie sich aus den Augen verloren. Während Gregers Werle es im väterlichen Unternehmen zu einem guten Auskommen gebracht hat, ernährt Hjalmar Ekdal seine kleine Familie mehr schlecht als recht als Fotograf. In die Heimat zurückgekehrt, lädt Gregers den Schulfreund zu einem Fest im Hause seines Vaters ein – die Begegnung wird zum Auslöser dramatischer familiärer Zerwürfnisse mit tragischen Ausgang.

Für Katrin Lindner ist es die erste Inszenierung eines Ibsen-Stückes. „Es gibt kein Wort, das nicht irgendwie weiterführen würde. Alles hat zwei Seiten, selbst ein Ja kann etwas anderes bedeuten“, schwärmt die Regisseurin, die in Kiel unter anderem Dea Lohers "Am Schwarzen See" und zuletzt Wedekinds "Frühlings Erwachen" inszenierte. Im Zentrum steht eine Lebenslüge, die die Grundfesten von Hjalmars Familie erschüttert. Die Wildente, ein von dem alten Werle flügellahm geschossenes Tier, wird von Hjalmars Familie, namentlich von seiner Tochter Hedwig, aufgepäppelt und steht symbolisch für diese Lüge. Denn ist Hedwig wirklich Hjalmars leibliche Tochter? Das Thema der Lebenslüge ist Kernpunkt in Ibsens dramatischem Werk, hier auf den Punkt gebracht in dem Satz eines Arztes: „Wenn sie einem Durchschnittsmenschen seine Lebenslüge nehmen, so bringen sie ihn gleichzeitig um sein Glück.“

In der "Wildente" gehe es um die Frage, mit welcher Behauptung man sein Leben leben möchte, „und darum, ob es richtig ist, um jeden Preis nach der Wahrheit zu suchen“ , sagt Katrin Lindner. Die Ästhetik von Bühne und Kostümen hat Ausstatter Alexander Wolf überzeitlich angelegt, „ohne unbedingt nach heutigen Bildern zu suchen.“

Schauspielhaus Kiel. Premiere Fr./Sa.. 22./23. Sept, 20 Uhr. Karten: Tel. 0431 / 901901, www.theater-kiel.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3