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Ida Gard im Lutterbeker Die Musik zum Buch

Mit ihrer aktuellen CD "Womb" nimmt Ida Gard auf Mikael Niemis Roman "Populärmusik aus Vittula" Bezug. Im Lutterbeker sorgte die dänische Sängerin am Freitag für eine einnehmend kauzige Umsetzung des Konzeptalbums.

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Im Lutterbeker sorgte die dänische Sängerin Ida Gard am Freitag für eine einnehmend kauzige Umsetzung des Konzeptalbums.

Quelle: Manuel Weber

Lutterbek. Nach einem Konzertabend mit Ida Gard kann einem noch lange das Prädikat „kauzig“ im Kopf herumspuken. Kauzig ist die Performance der dänischen Sängerin mit der kunstvoll gedrehten Tolle, die sie selbst als „Zimtschnecke“ bezeichnet. Kauzig ist Gards Stimme, die stets gleichzeitig zu singen und zu erzählen scheint und dabei oft ein wenig björky wirkt. Und kauzig sind auch ihre exzessiven Ansagen, in denen sie das ländliche Lutterbek mit ihrer dänischen Heimat vergleicht, Mutmaßungen über den idealen Zeitvertreib in der Pampa anstellt und bei alledem viel Nähe zum Publikum erzeugt.

Dieses zeigt sich bereits begeistert, als Gard zur Eröffnung ihres Auftritts noch ganz allein mit der Akustischen auf der Bühne des sehr gut besuchten Saals steht und den ersten Song singt. Alternativ könnte man auch sagen, dass sie das erste Kapitel aufschlägt, denn tatsächlich nimmt ihr aktuelles Konzeptalbum Womb auf Mikael Niemis Roman Populärmusik aus Vittula Bezug. Das im Jahr 2000 erschienene Werk erzählt von einer Jugend in der schwedisch-finnischen Grenzregion und Gard macht es sich auf dem Album wie im Konzert zur Aufgabe, seine verschiedenen Charaktere darzustellen. Ihre Gäste erleben so quasi die Umsetzung eines musikalischen Hörbuchs, was auch erklärt, warum die Sängerin stimmlich oft die Balance zwischen Gesang und Rezitation hält.

Harmonische Entfaltung

Ihre konzentrierten Vocals grundiert sie dabei bevorzugt durch die E-Gitarre, spielt diese oft mit Hall und durchaus intensiv, lässt aber auch immer wieder Raum zwischen den Noten, so dass sich die Musik harmonisch entfalten kann. Für den Rhythmus zeichnet dabei ihr musikalisches Gegenüber Anne Kirstine Winkler verantwortlich, Gards Schwester im Geiste am Schlagzeug, die ihr Instrument im Wechsel mit Sticks, Filzschlägeln oder Besen bearbeitet und so trotz eines eher sparsamen Stils zahlreiche Klangfarben zum Scheinen bringt.

Dass der Abend bassfrei verläuft, schärft einerseits die Kontur der Musik. Andererseits wundert man sich beim Hören immer mal wieder darüber, dass ausgerechnet ein Album mit dem Titel Womb weitgehend ohne tiefe Töne auskommt. Dann aber wieder präsentieren Gard und Winkler eine Version des Beatles-Klassikers Help, deren eindrucksvolle Kargheit durch das verschlankte Klangbild erst möglich wird. Die Gäste lassen sich bis zum letzten Ton von diesem angenehm eigensinnigen Konzept beeindrucken und stehen nach dem Finale am Merchandise-Stand Schlange. Auf einer dort zum Verkauf angebotenen Baumwolltasche prangen drei Wörter, die man sich für das Fazit gerne borgt: „Oh my Gard!“

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