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Altwerden mit dem eigenen Schmusetier

Metro-Kino Altwerden mit dem eigenen Schmusetier

Was tun, wenn der Zahn der Zeit nagt, wenn die Schlupflider hängen wie „die Rollläden eines alten Palazzos“? Wenn die zweite Lebenshälfte unwiderruflich angebrochen ist und es höchste Zeit wird, falls es noch mal einen Start in ein anderes, respektive besseres Leben geben soll? Bestseller-Autorin und Brigitte-Kolumnistin Ildikó von Kürthy hat ein Jahr lang zahlreiche Selbstoptimierungsversuche angestellt und sie zu ihrem aktuellen Buch "Neuland" verarbeitet.

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Schlagabtausch: Ildikó von Kuerthy mit Hubertus Meyer-Burckhardt

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Kiel. Texte daraus hat sie zu einer Art szenischen Lesung verdichtet und gastierte damit, an der Seite von Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt, der ihr als dialogischer Widerpart diente, im rappelvollen Metro-Kino.

 Amüsiertes, wissendes Lachen hängt von Anfang an über der Szenerie des keineswegs rein weiblichen Publikums. Im albern entwürdigenden Outfit bei einer Entgiftungskur – unförmige Bademäntel – liefern sich die beiden einen pointierten Schlagabtausch um das Für und Wider des grassierenden Wahnsinns, alles an sich kritisch zu beäugen. „Ich habe mein Schmusetier immer dabei, ich muss mir eigentlich nur an den Hals greifen“, lautet da nur eine der Selbstbeobachtungen. Beinahe jeder Satz spiegelt die auf Wirkung bedachte, ironisch, aber vor allem selbstironisch zugespitzte Schreibe einer routinierten Unterhalterin, die von Kürthy absolut ist. Natürlich steckt darin auch viel Klischee, aber – wie so oft – ist am Klischee eben auch etwas dran.

 Ildikó von Kürthy übernimmt den Part derjenigen, die es noch mal wissen will. Alles muss her: blondiertes Langhaar, Detox, Yoga – das ganze Programm. Wobei es sich – zumindest in der Bühnenversion – doch meist um eher äußerliche Optimierungsangebote handelt. Im zweiten Teil tritt sie denn auch als blondlockige Barbie mit Luftnot vors Publikum. Merke: „Du kannst nicht schlank sein und gleichzeitig atmen.“ Meyer-Burckhardt stemmt sich mit Rampensau-Qualität dagegen: „Aus einem Daihatsu machst du keinen Maserati.“ Wirklich Neues erfährt man nicht, befreit über den Irrsinn lachen, kann man trotzdem. Die Gesangseinlagen mit alten 80er-Jahre-Songs hätte es nicht gebraucht, genauso wenig wie die TV-Zitate von Dallas bis Dornenvögel. Mit weniger Drumherum hätten die Texte noch mehr wirken können. Darunter auch die wichtige Erkenntnis: „Es gehört zum Altwerden dazu, sich auch mal in Ruhe zu lassen.“

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