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Der Traummann ruft nicht an

„Mondscheintarif“ bei den Komödianten Der Traummann ruft nicht an

Cora Hübsch ist beinahe 34 und bis zum Wahnsinn verliebt in den unfassbar gut aussehenden Dr. med. Daniel Hofmann. Nach einer überirdischen gemeinsamen Nacht könnte sie auf Wolke Sieben schweben – doch der Traummann ruft nicht mehr an.

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Christoph Munk inszeniert in „Mondscheintarif“ das erste Bühnensolo von Sina Schulz.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Das Telefon fest im Blick, verbringt Cora einen endlosen Sonnabend – und lässt vor ihrem geistigen Auge die Ereignisse der letzten schicksalhaften Tage Revue passieren.

 Grob umrissen klingt der Plot von „Mondscheintarif“ wie ein Groschenroman. Doch in der Liebeskomödie nach Ildikó von Kürthys gleichnamigem Bestseller steckt mehr, meint Christoph Munk. Dem Vorschlag von Theaterchef Markus Dentler folgend, hat er die Geschichte über die Seelenqualen der jungen Frau, die ihre Hirntätigkeit im Rausch der Verliebtheit bisweilen im Ruhe-Modus belässt, im Theater Die Komödianten inszeniert – als Ein-Personen-Stück. „Nach „Szenen einer Ehe“ und „Macho Man“ passt das Stück in den diesjährigen Spielplan“, sagt er. „Außerdem hat es mich gereizt zu überprüfen, ob ein Stoff, der 2001 ein Bestseller war und erfolgreich verfilmt wurde, ein Verfallsdatum hat.“ Dabei räumt er durchaus ein, zunächst Mühe mit dem „unemanzipierten, närrischen“ Frauenbild gehabt zu haben, das hier transportiert wird und so gar nichts mit seiner Vorstellung von einer modernen jungen Frau im 21. Jahrhundert zu tun hat.

 Er hat sich eines Besseren belehren lassen – nicht zuletzt von Sina Schulz, die ihr erstes Bühnen-Solo abliefern wird. „Ich habe ihm gesagt, wenn man verliebt ist, dann benimmt man sich so“, erzählt die Hamburgerin, die mit ihren 29 Jahren an das Alter ihrer Bühnenfigur herankommt. Was das Frauenbild angeht, hat man sich also zusammengerauft, die Textfassung von Britta Focht und Neidhardt Nordmann tat das ihre, um Regisseur Munk vom Stoff zu überzeugen. „Der Monolog ermöglicht einen inneren Abstand und damit ein gewisses Maß an Selbstreflexion. Wenn man tiefer in den Text einsteigt, stellt man fest, dass hier ein Mensch mit Gefühlen vor einem steht, der mit sich ins Gericht geht und sich in Frage stellt.“

 Um die Handlung szenisch aufzulockern, die in mehreren Zeitebenen zwischen Gegenwart, Kindheits- und Jugenderinnerungen wechselt, wurden zwei Schauplätze auf der Bühne eingerichtet, „die ein bisschen Verwirrung stiften sollen.“ Außerdem nutzt Christoph Munk mit Begeisterung die ausgebildete Gesangsstimme von Sina Schulz, die sie an gleicher Stelle unter seiner Regie bereits 2015 in der Revue „Lola Blond“ unter Beweis stellte. Insgesamt neun Schlager wird ihre liebeskranke Cora (an)singen. „Wenn man die Texte ernst nimmt, transportieren sie genau die Gefühle, die Cora umtreiben.“ Und so wagt seine Inszenierung den Spagat zwischen leichtester Unterhaltung und großer Emotionalität. „Der Text ist voller Situationskomik und intelligentem Witz“, so der Regisseur „Eben eine echte Komödie, in der man in tiefere Schichten vorstoßen kann.“

  Premiere Donnerstag, 20 Uhr. Öffentliche Proben heute, Dienstag, 11 Uhr, und Mittwoch, 20 Uhr. Karten unter Tel. 0431/553401, www.komoedianten.com

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