25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Neuer Zugang zu alten Bauten

Molfsee Neuer Zugang zu alten Bauten

Kontrastprogramm: Ausgerechnet in einem der ältesten Häuser des Freilichtmuseums Molfsee werden derzeit Entwürfe für einen Neubau gezeigt. Zum 50-jährigen Bestehen des Museums, das sich mittlerweile zum Landesmuseum für Volkskunde entwickelt hat, richtet sich im frisch sanierten Barghaus aus Arentsee der Blick in die Zukunft.

Voriger Artikel
Gregor Meyle spielt sein größtes Konzert in Hamburg
Nächster Artikel
Baden in Licht und Schatten

Der Siegerentwurf von Petersen Pörksen Partner senkt die Ausstellungsflächen ab und setzt darüber Scheunendächer in moderner Architektursprache.

Quelle: ppp Architekten

Kiel. Und die braucht ein neues Eingangs- und Ausstellungsgebäude. Die Notwendigkeit ist allseits erkannt, ein internationaler Architektenwettbewerb wurde ausgeschrieben und (wie berichtet) entschieden – ab 2017 könnte gebaut werden.

Das museale Umfeld wirkte inspirierend – und das macht die hier so ungewöhnliche Ausstellung so sehenswert. 21 Büros haben sich mit der Frage befasst, wie und auch wo auf dem weitläufigen Gelände sich so ein Neubau mit immerhin rund 1600 Quadratmetern vorgegebener Ausstellungsfläche einpassen lässt. Städtebauliche Aspekte, Maßstäblichkeit, Gestaltung, Funktionalität – die Lösungsansätze waren sehr unterschiedlich. Krasse Kontrapunkte zum Altbaubestand wurden gesetzt, massive Großstadtarchitektur ins dörfliche Ensemble übertragen, historisierende Entwürfe wollten andererseits Neubauten unter Reet in den Bestand kopieren.

 Die Jury hatte es nicht leicht – und kürte einen Entwurf aus Lübeck. Petersen Pörksen Partner (PPP) Architekten und Stadtplaner, im Kooperation mit Breimann & Bruun Landschaftsarchitekten (Hamburg) hätten, so wertet der Kieler Juror Björn Bergfeld (bbp: Architekten), den Spagat zwischen Alt und Neu geschickt gelöst und den traditionellen Typus der Scheune in moderne Architektursprache abstrahiert – strukturierter Beton statt Reet und Ziegel. Um die Maßstäblichkeit zu wahren, haben die Lübecker Architekten die volkskundlichen Ausstellungsflächen „eher introvertiert und konzentriert“ in ein Sockelgeschoss verlagert und in den hier erhöhten Baugrund eingelassen. Ein Lösungsansatz, den auch andere Büros aufgegriffen haben – mit allerdings sehr unterschiedlichen, und oft immer noch sehr massig wirkenden Ergebnissen.

 Über diesem gehaltvollen, flexibel aufteilbaren Sockel ordnen die Lübecker Architekten zwei Langhäuser mit tiefen Traufen an: Das neue Eingangsgebäude mit Kasse, Schauvitrinen und Shop sowie ein Nebengebäude mit Raum für Kulturvermittlung und Werkstätten. Beide bilden eine Art Atrium mit spannenden Einblicken. Zusätzlich wird auch der jüngste der Altbauten im Freilichtmuseum, die hölzerne Feldscheune von 1930, derzeit Teil des Bauhofes, als multifunktional nutzbare Fläche in das Ensemble mit einbezogen, das von leicht erhöhter Warte den Blick und den Zugang ins Freigelände eröffnet. Heute wird das Areal im Südwesten noch als Parkplatz genutzt bzw. ist zwischen Drathenhof mit Räucherkate und dem Bauhof öffentlich nicht zugänglich. Der kleine Teich, der in den Plänen von PPP auch mit Stegen eine ganz neue Bedeutung erlangen soll, liegt weitgehend verborgen dazwischen.

 Ein Spektakel, so Architekt Klaus H. Petersen, sei für Molfsee nicht angemessen gewesen – der Blick auf manchen Konkurrenz-Entwurf in der Ausstellung mag das untermauern. Es gelte vielmehr, die Neubauten mit Bedacht in den Bestand einzufügen und eine neue, attraktive Visitenkarte für das Landesmuseum für Volkskunde zu schaffen. Das Landesmuseum für Volkskunde könnte sich mit dem Neubau für den Ganzjahresbetrieb öffnen. Auch das ist ein Stück Zukunftssicherung. Und eine unabdingbare Perspektive, denn derzeit, weiß Museumsdirektor Wolfgang Rüther, gebe es in Molfsee keine Möglichkeit, die bisher auf dem Schleswiger Hesterberg präsentierten volkskundlichen Exponate so auszustellen, dass die Anforderungen an Objektsicherheit, Ausstellungstechnik und Besucherservice erfüllt würden. Das Ausstellungshaus sei unerlässlich, um die Freigeländeausstellung der Häuser, die vornehmlich den ländlichen Raum der Zeit vor 1900 darstellt, durch Dauer- und Wechselausstellungen thematisch sinnvoll zu ergänzen. Rüther: „Nur in einem Ausstellungshaus könnten Themen der nicht-agrarischen Welt der Vergangenheit und nicht zuletzt der Gegenwart aufgegriffen und präsentiert werden. Diese thematische Weitung und zeitliche Annäherung an die Gegenwart ist aber unerlässlich, wenn das Haus seinem Auftrag als Landesmuseum für Volkskunde zeitgemäß, offen, innovativ und aktuell gerecht werden will.“

 Der Bedarf ist da. Das Land hat bereits den Wettbewerb mitfinanziert. „Wenn es irgendwann klappt, dann jetzt“, sagte Ministerpräsident (und Gottorfer Stiftungsratsvorsitzender) Torsten Albig bei der Ausstellungseröffnung: „Wir sind sehr strukturiert auf dem Weg“. Man setzt für das Zwölf-Millionen-Euro-Projekt vorrangig auf Mittel aus dem europäischen Strukturfonds (ELER). Nach derzeitigem Plan soll 2019 Einweihung gefeiert werden.

 Ein neues Haus für die Volkskunde, Ausstellung im Haus aus Arentsee, bis zum Herbst 2015, täglich 9-18 Uhr.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3